SZ-Kolumne "Bester Dinge"Deutschlands XY

Jan Huebner/imago images

Matthias Schweighöfer erklärt im US-Fernsehen, warum er der "deutsche Justin Timberlake" ist. Solche Vergleiche sind natürlich total sinnvoll. Oder?

Von Moritz Geier

Kürzlich war Schauspieler Matthias Schweighöfer im US-Fernsehen zu sehen, Jimmy Fallon (so was wie der amerikanische Jan Böhmermann) hatte ihn in seine Show eingeladen und mit einem Artikel konfrontiert, der Schweighöfer als "deutschen Justin Timberlake" auswies. (Bei Letzterem, für diejenigen, die ihn nicht kennen, handelt es sich ungefähr um den US-amerikanischen Matthias Schweighöfer.)

Derartige personelle Vergleiche sind natürlich höchst sinnvoll, in einer Welt zumal, die immer komplexer wird. Verweise dienen der Orientierung, und dank solcher Einordnungen wissen wir ja auch, dass Schauspieler Dennis Mojen der "deutsche Leonardo DiCaprio" ist ( Gala), Nadeshda Brennicke "Deutschlands Angelina Jolie" ( Rheinische Post) und Stromberg "der deutsche Matthew McConaughey" (Twitter-Nutzer Frank Rosinbomber, 4 Likes). Weil diese Vergleiche allerdings einem nicht gänzlich zu leugnenden Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem großen Hollywood entspringen und sie im Grunde auch nicht allzu kreativ daherkommen, sind sie in einer Qualitätszeitung wie der Süddeutschen Zeitung (deutsche New York Times) freilich eher selten zu lesen.

Der deutsche Timberlake jedenfalls hat den Vergleich im US-Fernsehen mit viel Humor genommen, erklärt hat er ihn damit, dass er genau wie der amerikanische Timberlake ein guter, wenn auch schüchterner Tänzer sei. Dazu fällt einem ein großer niederländischer Schriftsteller ein. Die Welt, schrieb der mal, ist ein einziger unaufhörlicher Querverweis - ein schöner Satz, den sich der Autor dieses Textchens auch gerne selber ausgedacht hätte. Aber er ist halt nicht der deutsche Cees Nooteboom.

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