Massaker in Las Vegas "Kinder ohne Eltern, Väter ohne Söhne, Mütter ohne Töchter"

Ein Krankenpfleger aus Tennessee, eine Lehrerin aus Kalifornien und 56 weitere Menschen sind in Las Vegas getötet worden. Ihre Schicksale bewegen die USA.

Es wird gerade viel über den Mann gesprochen, der in Las Vegas 58 Menschen getötet hat. Über Stephen Paddock und die Motive, die ihn wohl zu seiner Tat bewegten. Doch Stück für Stück werden auch Informationen über die Menschen bekannt, die er mit seiner Tat aus dem Leben gerissen hat. Und über ihre Angehörigen, die gerade erst anfangen, ihren Verlust zu begreifen.

"Kinder ohne Eltern, Väter ohne Söhne, Mütter ohne Töchter", das sei das Ergebnis des Massakers in seiner Heimatstadt, erklärte US-Entertainer Jimmy Kimmel unter Tränen in seiner Sendung.

Sonny Melton aus Tennessee etwa besuchte das Festival, um mit seiner Frau ihren ersten Hochzeitstag zu feiern. Nun ist Heather Melton Witwe, und dass sie selbst noch lebt, habe sie ihrem Mann zu verdanken, sagte sie dem Sender WSMV. "Er hat mein Leben gerettet. Er hat mich gepackt und ist losgelaufen, dann habe ich gefühlt, wie ihn ein Schuss traf". Sie wolle, dass alle Welt wisse, "was für ein gutherziger, liebevoller Mann er war - aber im Moment kann ich kaum atmen".

Der 29-Jährige war Krankenpfleger. Eine seiner ehemaligen Dozentinnen an der Union University, wo er 2015 seinen Bachelor gemacht hatte, sagte dem Sender CNN: "Sie wissen doch, wie das ist, wenn man jemanden trifft und einfach weiß, dass derjenige ein guter Mensch ist. So war es mit Sonny."

Jenny Parks war Lehrerin in Kalifornien. Das Festival in Las Vegas besuchte sie mit ihrem Mann Bobby. Beide wurden von Schüssen getroffen. Während er schwerverletzt ins Krankenhaus kam, konnte ihr niemand mehr helfen. "Sie waren High School Sweethearts", sagte ein Angehöriger dem Magazin People. Jenny Parks sei eine hochintelligente, fröhliche Person gewesen. Zuletzt habe sie mit viel Liebe die Feier zu Bobbys anstehendem 40. Geburtstag organisiert, "sie hatte ein Häuschen an einem See gemietet, sie wollten Boot fahren und alles Mögliche".

Erst vor wenigen Monaten habe Jenny Parks einen Master in Erziehungswissenschaften abgeschlossen, so der Verwandte weiter. Ihr älterer Sohn Bryce habe gerade mit der High School begonnen, die jüngere Tochter Lea sei in der Grundschule.

Es waren viele Paare beim Festival in Las Vegas, viele Familien, die nun zerstört sind. Auch Denise Burditus überlebte die Schüsse nicht. "Es macht mich traurig, sagen zu müssen, dass ich heute Abend in Las Vegas meine Frau verloren habe, mit der ich 32 Jahre verheiratet war, die Mutter zweier Kinder, sie wäre bald zum fünften Mal Großmutter geworden", schrieb Tony Burditus auf seiner Facebook-Seite: "Denise ist in meinen Armen gestorben. ICH LIEBE DICH BABE". Denise Burditus selbst hatte noch wenige Stunden vor ihrem Tod ein Selfie mit ihrem Mann gepostet. Eines ihrer letzten Fotos zeigte im Hintergrund das Mandalay-Bay-Hotel, aus dem der Täter später auf die Konzertbesucher feuerte.

Auch der 34-jährige Charleston Hartfield hatte vor dem Attentat noch Bilder vom Festival gepostet. Er war Polizist in Las Vegas und verbrachte seinen freien Tag beim Konzert. Ein Freund aus seiner Zeit beim Militär sagte dem Las Vegas Review-Journal, er habe Hartfield am Sonntagabend Nachrichten aufs Handy geschickt. Als keine Antwort gekommen sei "dachte ich, er ist bestimmt damit beschäftigt, anderen zu helfen", so Troy Rhett. Hartfield hatte erst kürzlich ein Buch mit Erinnerungen an die Zeit in der US-Armee veröffentlicht und war unter anderem als Football-Trainer für Jugendliche aktiv. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Carrie Barnette aus Riverside, Kalifornien, war wie Hartfield erst 34 Jahre alt. Seit elf Jahren arbeitete sie in Disneyland und "liebte es dort", erzählte ihre Mutter der Los Angeles Times. Die Mutter erfuhr am Telefon von einer Freundin ihrer Tochter, dass Carrie von einer Kugel getroffen worden war.

Der 54-jährige Thomas Day Jr. war mit seinen vier erwachsenen Kindern beim "Route 91 Harvest"-Festival unterwegs. Auch er stammte aus dem kalifornischen Riverside, wo er auf dem Bau arbeitete. "Er war der beste Dad, den es gibt - deshalb waren seine Kinder bei ihm", so sein eigener Vater, Thomas Day Sr. Nun trauere er gemeinsam mit den Enkeln.

Hunderte Verletzte, mindestens ein Dutzend in kritischem Zustand

Die US-Medien sind dabei, diese und weitere Geschichten der Opfer von Las Vegas zu sammeln - so zum Bespiel die New York Times, die Los Angeles Times oder CNN. Die Zahl der Toten könnte noch steigen. Eine Sprecherin der Universitätsklinik von Las Vegas sagte, wenigstens ein Dutzend Personen seien in kritischem Zustand. Insgesamt wurden am Sonntagabend 527 Menschen verletzt. Auch ein Deutscher soll sich nach Auskunft des Auswärtigen Amtes in medizinischer Behandlung befinden.

Während sie in Krankenhäusern versorgt werden, entbrennt wie nach den letzten verheerenden Verbrechen mit Schusswaffen die alte Diskussion über strengere Gesetze neu. Doch viele gehen schon jetzt davon aus, dass sich auch diesmal wieder nichts ändern wird in den USA.

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