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Stilkritik: Speck-Maske:Der olfaktorische Albtraum

Die "Breathable Bacon"-Maske - eine konsequente Weiterentwicklung.

(Foto: Hormel)

Konsequente Weiterentwicklung: Mit einer Maske, die Bacon-Duft verströmt, werden nun urzeitliche Instinkte angesprochen. In dem Geschäftsmodell steckt Potenzial.

Von Mareen Linnartz

Vor sehr vielen Jahren lebten Menschen in Höhlen, Worte wie "Partyzone", "Abstandsregeln" und "Inzidenzzahlen" waren unbekannt, abends saßen sie erschöpft am Feuer und nagten an einem tagsüber erlegten Schwein. In die Stille hinein waren zufriedene Schmatzgeräusche zu hören, danach fielen sie in traumlosen Schlaf. Das Leben war übersichtlich.

Vielleicht sehnen sich Menschen jetzt einfach in diesen Urzustand zurück, auch wenn es damals noch keine Zentralheizungen und Regentropfenduschen gab. Eine US-Firma vertreibt nun eine Maske, die den Duft geräucherten Specks, also portionierten Schweinebauchs, verströmt. Mit geschlossenen Augen kann man da schon auf den Gedanken kommen, ganz woanders zu sein. Der eine beamt sich Jahrtausende zurück, der andere in eine gefühlt ein paar Jahrhunderte entfernte Realität, in der der Morgen noch mit Rühreiern und gebratenem Speck begann und nicht mit neuen Fallzahlen vom Robert-Koch-Institut. Ganz offensichtlich hat gebratener Speck für viele nicht nur einen betörenden Geschmack, sondern auch ein Aroma von Geborgenheit. In den USA werden Zahnpasta, Lippenbalsam, sogar Briefumschläge mit Bacon-Geschmack unters Volk gebracht, da ist die "Breathable Bacon"-Maske, so die genaue Produktbeschreibung, nur die konsequente Weiterentwicklung.

Im Geschäftsmodell steckt Potenzial: Eine Zitronen-Version für Frühlingsgefühle, eine Vanille-Variante für die Weihnachtszeit, Rosenduft für frisch Verliebte. Unklar ist allerdings, wie viele von den Geruchspartikeln beim Ausatmen nach außen dringen. Eine Zitronen-Bacon-Rosen-Mischung in öffentlichen Verkehrsmitteln: Womöglich ein olfaktorischer Albtraum. Der Hersteller der Speck-Maske belässt es mit konkreten Handlungsanweisungen. Man solle nicht mit der Maske schlafen. Und sie bitte auch nicht essen.

© SZ/nas/ick
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