Masern:Unterschätzter Killer

Lesezeit: 3 min

Auch wenn die Zahl der Erkrankungen rückläufig ist, gibt es keinen Grund zur Entwarnungen: Denn Masern führen inzwischen häufiger zum Tod als gedacht.

Von Werner Bartens

Zuerst die gute Nachricht: Die Zahl der Masernerkrankungen in Deutschland sinkt. Die schlechte Nachricht: Die Häufigkeit der Todesfälle durch Komplikationen nach einer Masern-Infektion ist bisher offenbar unterschätzt worden.

An Masern erkrankter Junge

Die Zahl der Masern-Infektionen geht zwar zurück, allerdings wird die Krankheit immer gefährlicher.

(Foto: Foto: AP)

Wie gefährlich die Masern werden können, zeigt der Fall eines heute sechsjährigen Jungen aus der Nähe von Bielefeld. Er war im Alter von fünf Monaten an Masern erkrankt.

Im Herbst vergangenen Jahres litt er plötzlich unter Bewegungsstörungen und konnte nicht mehr laufen. Bei ihm wurde die seltene Gehirnentzündung SSPE diagnostiziert, die stets tödlich verläuft.

Bisher seien Kinderärzte nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts von ein bis zwei jährlichen Todesfällen durch Masern in Deutschland ausgegangen. Wenn man aber die Spätfolgen einer Masernerkrankung einbezieht, muss man wahrscheinlich mit fünf bis zehn Toten pro Jahr rechnen.

120 Todesfälle

Die neuen Angaben gehen auf Untersuchungen des Instituts für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg zurück. Dort hat man seit 1988 deutschlandweit rund 120 Todesfälle durch die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) dokumentiert.

"Diese Todesfälle muss man zu den bisher bekannten Masern-Komplikationen hinzuzählen", sagt der Würzburger Virologe Benedikt Weißbrich. "Bisher wurden sie in der Masern-Statistik nicht wahrgenommen, mit der Folge, dass man die Risiken unterschätzt hat."

Die seltene SSPE wurde bisher ausschließlich nach Masern-Erkrankungen beobachtet. Sie führt zum schrittweisen Abbau von Nervenzellen und endet mit dem Tod. "SSPE beginnt oft mit epileptischen Anfällen oder Bewegungsstörungen", sagt Florian Heinen, Leiter der Abteilung für Nerven- und Muskelerkrankungen am von Haunerschen Kinderspital der Universität München.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB