Atlasgebirge Zwei Touristinnen in Marokko getötet

Marokko: An diesem Ort, etwa zehn Kilometer von der Stadt Imlil entfernt, wurden die Leichen der getöteten Frauen entdeckt.

(Foto: AFP)
  • In Marokko sind zwei Touristinnen aus Dänemark und Norwegen getötet worden.
  • Ihre Leichen wurden am Fuße des Berges Toubkal im Atlasgebirge entdeckt.
  • Ein Verdächtiger wurde festgenommen, nach einem weiteren wird gefahndet.

Marokko gilt als relativ sicheres Reiseland, die marokkanischen Tourismusbehörden feierten das vergangene Jahr als "außergewöhnlichen" Erfolg: fast elf Millionen Reisende besuchten das Land. Trekkingtouren im Atlasgebirge sind besonders beliebt bei vielen der aktiveren Touristen. Die Region gilt als friedfertig. Anders etwa als im Rif-Gebirge im Norden des Landes. Dort dulden die Farmer der Haschisch-Plantagen keine ungebeten Gäste. Die Bevölkerungsmehrheit der im Atlas lebenden Berber hingegen gilt als gastfreundlich.

Mit umso größerer Bestürzung hat man deswegen nun in Dänemark und Norwegen die Nachricht zur Kenntnis genommen, dass im Atlasgebirge die Leichen zweier ausländischer Studentinnen gefunden wurden. Es handelt sich um Maren Ueland, eine 28-jährige Norwegerin, und Louisa Vesterager Jespersen, eine 24-jährige Dänin. Beim Campen am Fuße des Berges Toubkal wurden sie allem Anschein nach Opfer eines brutalen Verbrechens. Ihre Hälse wiesen "Spuren von Gewalt" auf, teilten marokkanische Behörden mit. Offenbar haben die Täter den beiden Frauen die Kehlen durchtrennt. Eilig gaben die marokkanischen Behörden noch am Dienstagvormittag bekannt, sie hätten einen Verdächtigen bereits gefasst, drei weiteren sei man auf der Spur. Zwei weitere Verhaftungen erfolgten einige Stunden später.

Leichen weisen Stichverletzungen auf

Die beiden jungen Frauen kannten sich vom Studium an der Universität von Südostnorwegen in der Gemeinde Bø. Sie waren am vergangenen Wochenende aufgebrochen zu einer einmonatigen Rucksackreise, und am Sonntag in Marokko gelandet. Die Mutter der 28-jährigen Norwegerin berichtete dem norwegischen Rundfunksender NRK, sie habe am Sonntag eine letzte Nachricht ihrer Tochter erhalten. Die Tochter habe ihr erklärt, daß sie nun vielleicht längere Zeit keinen Kontakt aufnehmen könne, weil sie und ihre Freundin nun in abgelegene Bergregionen wandern würden. Die Leichen der beiden wurden dem marokkanischen Innenministerium zufolge mit Stichverletzungen rund zehn Kilometer entfernt vom Ort Imlil gefunden, einem beliebten Stützpunkt von Wanderern für Ausflüge zum Berg Toubkal. Der ist mit 4167 Metern der höchste Berg des Hohen Atlas sowie des gesamten Maghreb.

In norwegischen und dänischen Medien beschrieben die Familien der beiden die Studentinnen als erfahrene Outdoor-Sportlerinnen: voller Tatendrang, hungrig auf neue Erfahrungen, dabei aber nicht übermütig. Vesterager Jespersen studierte in Norwegen, um Reiseleiterin zu werden, schrieb sie auf Facebook. "Regel Nummer eins war für sie immer Sicherheit", sagte die Mutter von Maren Ueland dem norwegischen Sender NRK. Die beiden hätten vor der Reise alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Mutter der jungen Dänin erzählte der dänischen Zeitung BT, sie habe die Tochter vor der Reise gewarnt: "Wir rieten ihr ab davon, dort hinzufahren, weil es so ein chaotischer Ort ist und weil man von Leuten gehört hat, die dort ermordet wurden."

Norwegische Medien wiesen darauf hin, dass das norwegische Außenministerium Marokko als ungefährlich einstufe. Das Auswärtige Amt in Berlin warnt für das Land vor Touren abseits befestigter Straßen ohne lokale Führer. Explizite Reisewarnungen gelten jedoch auschließlich für die Grenzregionen zu Algerien, Mauretanien und das umkämpfte Gebiet Westsahara. Die norwegische Zeitung VG zitierte marokkanische Beamte, die ihr Land als "friedlich" verteidigten und die Morde als "untypisch und selten" für Marokko beschrieben. "Ganz Imlil steht unter Schock", sagte ein lokaler Bergführer der Zeitung: "So etwas ist hier noch nie geschehen." Vorest hat die Regierung eine Touren-Sperre für die Region verhängt.

Eine erste Festnahme durch die marokkanische Polizei erfolgte am Dienstag in den frühen Morgenstunden in Marrakesch. Offenbar hatten sich die Tatverdächtigen in die rund 60 Kilometer von Imlil entfernt liegende Stadt abgesetzt.. Die Polizei teilte mit, sie hab auch die übrigen Tatverdächtigen schon identifiziert, die Suche nach ihnen habe höchste Priorität. Die mutmaßlichen Täter hätten in der Nähe der beiden Frauen gecampt. Über ihr Tatmotiv ist bisher nichts bekannt.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels haben wir fälschlicherweise Alter und Nationalität der beiden jungen Frauen vertauscht.

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