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Politisches Vokabular:Schlumpfiges Gegrinse

PK in Schlumpfhausen

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) grinst - und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU, r.) bezichtigt ihn der Schlumpfigkeit.

(Foto: picture alliance/Reuters/Imago/Peyo - 2021 - Licensed through I.M.P.S. (Brussels))

CSU-Ministerpräsident Markus Söder bringt SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit Schlumpfhausen in Verbindung. Wie, bitte, könnte das gemeint sein?

Von Martin Zips

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder soll zum deutschen Finanzminister Olaf Scholz gesagt haben, dieser solle nicht "so schlumpfig grinsen". Das berichten Teilnehmer des Bund-Länder-Treffens. Dabei habe Söder auf die von dem belgischen Zeichner Peyo geschaffenen Comics "Die Schlümpfe" (Les Schtroumpfs) angespielt. Ebenso wie die blauen Zwerge wurde auch SPD-Kanzlerkandidat Scholz im Jahr 1958 geboren. Ein erster interessanter Hinweis auf das, was CSU-Mensch Söder gemeint haben könnte.

Als medienpolitischer Sprecher seiner Partei hatte sich Söder bereits für die ZDF-Mainzelmännchen sowie das ARD-Sandmännchen starkgemacht. Damit setzte er frische Akzente in einer Partei, deren traditionelle Wählerschaft dem Infantilen sonst eher kritisch gegenüberstand. Auch dass Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf gerade erst mit einem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, ist Söder zu verdanken. Im Fasching kostümierte sich der bayerische Ministerpräsident zuletzt aber nie als Schlumpf. Eher als Riese "Shrek". Dass er Scholz nun "schlumpfig" nennt, könnte auch weniger nett gemeint gewesen sein (Söder misst 1,94 Meter; Scholz 1,70).

Von Zeichner Peyo wird berichtet, er habe das Wort "Schtroumpf" erstmals in einem Lokal ausgesprochen. In dem Moment, da ihm der Begriff "Salzstreuer" nicht eingefallen sei, habe er gesagt: "Gib mir bitte mal den Schlumpf." Später kam ihm die Idee, das Wort zu einem ständigen Platzhalter in den Sprechblasen seiner Figuren zu machen: "Vorsicht, sonst verschlumpfst du dich." So in der Art. Das "schlumpfige Grinsen" von Olaf Scholz, und das ist der wohl wichtigste Aspekt, könnte damit auch Ausdruck einer gewissen bayerischen Sprachlosigkeit gewesen sein. In Zeiten des Schlumpfvirus sowie bevorstehender Schlumpftagswahlen dürfte die bewusste Reduktion seines politischen Vokabulars Söder nur dabei helfen, Energie zu sparen. Schlumpfen, das ist die beste Medizin.

© SZ/min/ick
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