GeldDer Taler mit Doppelkinn

Lesezeit: 2 Min.

Das Maria-Theresien-Taler-Monument in Triest, Italien.
Das Maria-Theresien-Taler-Monument in Triest, Italien. Alamy Stock Photos / Stefano Politi Markovina/mauritius images

Warum eine fast dreihundert Jahre alte österreichische Münze die ganze Welt als Zahlungsmittel erfreut. Und nun in Addis Abeba ausgestellt wird.

Von Martin Zips

„Fat Lady“ nannten die Briten diese Münze etwas abfällig. Wegen ihres Gewichts. Auch wegen des darauf gut erkennbaren Doppelkinns von Erzherzogin Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich. Und es stimmt: Vor allem im Alter war Maria Theresia eine kräftige Frau. Von 1740 bis zu ihrem Tod 1780 lenkte sie die Geschicke Österreich-Ungarns und führte, zunächst mit ihrem Mann Franz I. Stephan und nach seinem Tod alleine, auch das deutsch-römische Kaiserreich. Man nannte sie eine, wenn auch ungekrönte „Kaiserin“. Als solche schaffte sie etwas, wovon auch heute noch viele, vor allem männliche Herrscher träumen: Ihr Gesicht landete auf einem Zahlungsmittel, dem sogenannten „Maria-Theresien-Taler“. Spätestens hier wird die Sache interessant.

Denn gerade ist in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eine Ausstellung eröffnet worden, welche sich mit dem „Maria-Theresien-Taler“ (auch „Maria-Theresia-Dollar“) befasst. Etwa 400 Millionen Exemplare wurden bis heute gepresst. Mit dem Geldstück konnte man lange Zeit nicht nur zwischen Bludenz und Tschernowitz bezahlen, sondern – da der Taler als besonders fälschungssicher galt und einen konstanten Anteil an Silber aufwies – auch im Mittleren Osten, in Asien und Afrika. Ja, im niemals vollständig kolonialisierten Äthiopien ersetzte die Silbermünze sogar weitgehend die Landeswährung „Birr“. Das hatte auch mit Briten zu tun, welche Äthiopien mit Millionen nachgemachter „Fat Ladys“ überschwemmten, um den dortigen Finanzmarkt ordentlich durcheinanderzubringen und so politisch an Einfluss zu gewinnen.

Die kaiserliche Garde in Abessinien erhält auf diesem historischen Foto von 1935 ihren Sold: silberne Maria-Theresien-Taler. Links ist ein Geldsack der Bank of Ethiopia zu sehen, oben die Soldliste, nach der die Soldaten aufgerufen werden.
Die kaiserliche Garde in Abessinien erhält auf diesem historischen Foto von 1935 ihren Sold: silberne Maria-Theresien-Taler. Links ist ein Geldsack der Bank of Ethiopia zu sehen, oben die Soldliste, nach der die Soldaten aufgerufen werden. Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verbot Kaiser Haile Selassie den Handel, zuvor hatten auch italienische Besatzer das Geldstück nachgemacht. Sehr viele „Fat Ladys“ mussten eingeschmolzen werden: Noch bis in die späten 1950er-Jahre aber blieben sie bei der äthiopischen Bevölkerung beliebt, das Gesicht der Wiener Herrscherin galt vielen als Garant für seriöse Geschäfte, auch die Jahreszahl 1780 ließ man lieber unverändert. Und der Name Maria erinnerte afrikanische Christen doch eher an die Gottesmutter als an irgendeine Monarchin von der Donau. Nach dem Krieg wurde die Münze dann nur noch in Österreich nachgeprägt, für Sammler wertvoller blieben die alten Exemplare – nicht nur in Äthiopien sind sie bis heute als Glücksbringer in Verwendung, zum Beispiel als Halsschmuck. „Justitia et Clementia“ (Gerechtigkeit und Milde) lautet die Randinschrift.

Wobei die Doppelkinn-Variante ja erst nach dem Tod der Erzherzogin aufkam, die ersten vier Jahrzehnte waren die abgebildeten Münzen-Profile schmeichelhafter. Im heutigen Österreich jedenfalls freut man sich sehr über die äthiopische Wiederentdeckung des analogen Bitcoins aus der alten Kaiserzeit: An der Eröffnung der Ausstellung im privaten Yimtubezina-Museum nahmen auch österreichische Botschaftsvertreter teil, Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ist zudem gerade zu Gesprächen im Land. Nur Maria Theresia hat es zu ihren Lebzeiten nie nach Addis Abeba geschafft. In Wien wurde ihr Körper nach ihrem Tod auf gleich drei verschiedene Habsburger-Begräbnisstätten aufgeteilt. Zur besseren Anbetung.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Fund in Maastricht
:Sind das echte Musketierknochen?

In einer Kirche in Maastricht sackte plötzlich der Boden ein – und zum Vorschein kamen womöglich die Knochen eines berühmten Mannes: D'Artagnan.

Von Martin Zips

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: