Süddeutsche Zeitung

Marathon-Veteran beim Boston-Marathon:Der dem Schrecken trotzt

Es ist das Bild, das den Schrecken des 117. Boston Marathons vollständig einfängt: Ein 78-jähriger Marathonläufer wird durch die Wucht der Explosion zu Boden gerissen. In den Gesichtern der Polizisten, die vor ihm stehen, ist Panik zu lesen.

Ein grauhaariger Mann im knallorangefarbenen Läufertrikot liegt auf dem Asphalt, mit dem Rücken zur Kamera. Drei Polizisten stehen vor ihm, an ihren Haltungen erkennt man, das irgendetwas gerade anders ist. Einer greift in geduckter Position nach seinem Funkgerät, eine Kollegin neben ihm läuft weg, der andere Kollege hinter ihm springt zur Seite.

Es ist der Moment, kurz nachdem am Zieleinlauf des weltbekannten Bostoner Marathonlaufs zwei Detonationen zu spüren sind. Der Rand der Laufstrecke verschwindet in grau-blauem Dunst.

Das Foto des US-amerikanischen Fotografen John Tlumacki wurde innerhalb weniger Stunden im Netz zum Hit. Tlumacki, Fotograf beim Boston Globe, beschreibt die Situation folgendermaßen: "Ich hatte eigentlich gerade ein paar Kinder im Blick, die über den Zieleinlauf kamen. Dann explodierte etwas und alle schrien einfach los. Der Läufer (...) vor mir fiel zu Boden und die Polizeibeamten neben ihm zogen ihre Waffen. Auf den Gesichtern der Menschen war einfach Panik zu lesen."

Der Mann, um den es auf dem Foto geht, heißt Bill Iffrig. Er ist 78 Jahre alt und sein Hobby sind Marathonläufe. Insgesamt 45 Marathons ist er schon gelaufen, dieses ist sein dritter Boston-Marathon, die Ziellinie ist nur noch einige Meter von ihm entfernt. Doch so etwas hat der Mann aus Lake Stevens im US-Bundesstaat Washington noch nicht erlebt. "Die Welle der Explosion traf mich am ganzen Körper und meine Beine begannen wie wild zu zittern. Mir war klar, dass ich zu Boden gehen würde und so fand ich mich auf dem Teerboden wieder,"erzählt er danach dem CNN-Moderator Piers Morgan.

Dem heimatlichen Herald aus Everett berichtet Iffrig, die Detonation wäre ganz nah neben ihm hochgegangen, nur wenige Meter von ihm entfernt. "Es war sehr laut." Er wäre mit einer Schramme am Knie davongekommen, ein Helfer brachte ihn wieder auf die Beine und der Marathon-Veteran führte seinen Lauf bis zur Ziellinie fort. Im Gespräch mit heraldnet.com sagt er: "Wenn du mehr als 41 Kilometer gelaufen bist, dann hörst du da nicht auf."

Im Zuge der Berichterstattung über den Anschlag in Boston verzichtet Süddeutsche.de bewusst auf die Veröffentlichung von Fotostrecken und Videos mit blutigen Bildern der Opfer. Uns ist bewusst, dass andere News-Seiten, auf die wir - nach sorgfältiger Prüfung - in unseren Texten verlinken, derartige Fotos möglicherweise zeigen. Wir glauben jedoch, dass in diesen Fällen der Informationsgehalt der verlinkten Artikel so hoch ist, dass Verweise dennoch gerechtfertigt sind.

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