OberbayernHohe Haftstrafen im Prozess um Golddiebstahl von Manching

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Fast 500 Münzen, dazu ein Goldklumpen: Der Keltenschatz von Manching wurde im dortigen Kelten-Römer-Museum präsentiert – bis er in einer Novembernacht 2022 gestohlen wurde.
Fast 500 Münzen, dazu ein Goldklumpen: Der Keltenschatz von Manching wurde im dortigen Kelten-Römer-Museum präsentiert – bis er in einer Novembernacht 2022 gestohlen wurde. Frank Mächler/dpa

Im November 2022 wurde aus dem Kelten-Römer-Museum auf spektakuläre Art und Weise ein bedeutender Keltenschatz entwendet. Das Landgericht Ingolstadt hat nun drei Männer verurteilt – und ein viertes Mitglied der Bande wegen anderer Taten.

Wegen des spektakulären Diebstahls des keltischen Goldschatzes von Manching sind drei Männer zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Sie müssen vier Jahre und neun Monate, acht Jahre sowie elf Jahre ins Gefängnis, das hat das Landgericht Ingolstadt in seinem Urteil am Dienstagvormittag verkündet. Ein vierter Angeklagter wurde wegen anderer Taten zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt, wegen des Manchinger Diebstahls aber freigesprochen.

Nach Überzeugung des Gerichts brachen die Männer im November 2022 nachts in das Archäologiemuseum im oberbayerischen Manching ein und stahlen binnen weniger Minuten den etwa 2100 Jahre alten keltischen Goldschatz. Erbeutet wurden mehr als 3,7 Kilogramm Gold, der größte Teil ist bis heute verschwunden. In dem Prozess ging es aber nicht nur um den Manchinger Einbruch, auch fast 20 weitere Taten waren angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft forderte unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls Gefängnisstrafen von sechseinhalb bis zwölf Jahren. Die Indizien gegen die vier Männer ergäben ein „zusammengesetztes Mosaik“, sagte die Staatsanwältin. Die Verteidiger hingegen sahen ihre Mandanten als nicht überführt an und verlangten Freisprüche.

Golddiebstahl in Manching
:Das Doppelleben des Robert K.

Robert K. gilt als Kopf der Bande, die den Goldschatz von Manching gestohlen haben soll. Er führte offenbar ein bescheidenes Leben, Geldsorgen hatte er nicht. Warum dann einen Goldschatz stehlen? Im Prozess zeigt sich: Vielleicht war ihm einfach langweilig.

SZ PlusVon Lisa Schnell

Die Tat im November 2022 erregte großes Aufsehen – zum einen wegen der geschichtlichen Bedeutung der Beute: Die 483 Münzen und ein größerer Klumpen aus Gold waren im Jahr 1999 bei Ausgrabungen in Manching entdeckt worden. Dies war der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts. Er ist die Hauptattraktion des 2006 eröffneten Kelten-Römer-Museums in Manching. Sein rein materieller Wert wird auf eineinhalb Millionen Euro geschätzt.

Auch das Vorgehen der Täter war bemerkenswert: Vor dem Einbruch legten sie die Manchinger Telefonzentrale lahm, um einen Alarm bei dem Sicherheitsunternehmen des Museums zu verhindern. Etwa 13 000 Haushalte und Betriebe hatten dadurch längere Zeit kein Telefon und Internet mehr. Das Museum hatte keine funktionierende Sicherheitsschaltung, die auch bei einem solchen Netzausfall noch funktioniert hätte. Nach dem Raub stellte sich heraus, dass die Sicherheitsvorkehrungen des Hauses mangelhaft waren.

Der Prozess dauerte mehr als 30 Verhandlungstage, etwa 120 Zeugen und Gutachter wurden gehört. In dem Verfahren ging es nicht nur um den Manchinger Einbruch, auch fast 20 weitere Taten wurden angeklagt. Die vier Männer sollen jahrelang in Deutschland und Österreich unterwegs gewesen sein, um beispielsweise in Einkaufszentren einzusteigen und Tresore oder Geldautomaten zu knacken. Kopf der Bande war nach Überzeugung der Ankläger ein 48 Jahre alter Mann aus Plate bei Schwerin, er bekam mit elf Jahren die höchste Haftstrafe. Er hat wie seine drei Mitangeklagten in dem Prozess geschwiegen.

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