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Malta:Flugzeugentführung in Malta beendet - alle Geiseln frei

  • Eine Maschine der staatlichen libyschen Fluggesellschaft Afriqiyah Airways ist am Mittag mit mehr als 100 Menschen an Bord nach Malta entführt worden.
  • Mindestens eine Person an Bord hatte mit der Sprengung der Maschine gedroht.
  • Nach Verhandlungen, an denen auch libysche Regierungsvertreter teilgenommen haben, sind alle Geiseln freigelassen worden.

In Libyen hat es eine Flugzeugentführung gegeben. Die Maschine der staatlichen Afriqiyah Airways war mit 111 Passagieren und sieben Crewmitgliedern an Bord auf einem Inlandsflug von Sabha nach Tripolis, bevor sie vom Kurs abwich und schließlich kurz nach halb zwölf auf dem Flughafen der maltesischen Hauptstadt Valletta landete.

An Bord des Flugzeugs seien zwei Entführer gewesen, sagte ein Sprecher der maltesischen Regierung. Sie sollen mit der Sprengung des Flugzeugs gedroht haben. Darüber habe der Kapitän den Tower auf Malta informiert, berichtete die libysche Nachrichtenseite Alwasat, ohne eine Quelle zu nennen. Nach Informationen der Times of Malta behauptete einer der Entführer, eine Handgranate dabei zu haben.

Entführer schwenken grüne Flagge

Allen Passagieren gehe es gut, hieß es unter Berufung auf Kreise im libyschen Außenministerium. Vertreter der Regierung hatten die Verhandlungen mit den Entführern geführt.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich gegen 14 Uhr die Tür des Passagierflugzeugs öffnete und eine Treppe herangefahren wurde. Der maltesischen Regierungschef Joseph Muscat teilte mit, dass 25 Personen, vornehmlich Frauen und Kinder, die Maschine verlassen hätten. Wenig später wurde eine zweite Gruppe herausgeführt. Dem Premier zufolge sollen erst 109 Fluggäste sowie Teile der Crew freigelassen worden sein. Später meldete er via Twitter, dass auch die restlichen Mitarbeiter der Fluggesellschaft von Bord gegangen seien. Die Entführer hätten sich ergeben und seien in Gewahrsam genommen worden. Sie wurden in Handschellen von maltesischen Soldaten abgeführt. Nach offiziellen Angaben waren neben den sieben Crew-Mitgliedern ursprünglich 82 Männer, 28 Frauen sowie ein Kind an Bord des Flugzeuges.

Der Politiker hatte am Mittag auf Twitter geschrieben, er sei über die "mögliche Entführungssituation" eines libyschen Inlandsflugs informiert worden. Sicherheits- und Rettungskräfte stünden bereit. Fotos vom Rollfeld des Flughafens zeigten, dass das Militär die Maschine umstellt hatte. Die Entführer wollten Berichten des TV-Senders Al-Arabija TV zufolge zwar die festgehaltenen Passagiere freilassen, aber den Piloten des Flugzeugs festhalten, bis ihren Forderungen entsprochen werde. Zunächst wurde von Lokalpolitikern berichtet, in den Verhandlungen sei es auch um Asyl auf Malta gegangen.

Einer der Männer hatte bei der Öffnung der Flugzeugtüre einen grüne Flagge geschwenkt. Dabei handelt es sich um die alte libysche Flagge des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi, die nach dessen Tod 2011 abgeschafft wurde. Er soll nach Angaben der Lokalzeitung Times of Malta ein Unterstützer des Ex-Diktators sein. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, die Männer hätten als Grund für die Entführung die Gründung einer "Pro-Gaddafi"-Partei angegeben.

Regulärer Flugbetrieb wieder aufgenommen

Der Malta International Airport bestätigt, den "unrechtmäßigen Eingriff" in den Luftverkehr. Deshalb seien einige Flüge verspätet oder umgeleitet worden, inzwischen sei der Flugbetrieb aber wieder aufgenommen worden.

Die Website Flightradar 24 zeigt die Route, die das Flugzeug genommen hat:

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