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Malaysia Airlines MH370:Angehörige drohen mit Hungerstreik

Solidarität mit den Opfern: Bewohner eines Dorfes unweit der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh zünden Kerzen für die Vermissten von Flug MH370 an

(Foto: AFP)

Seit zehn Tagen ist die Boeing 777 der Malaysia Airlines verschollen - die Verzweiflung der Angehörigen wächst. Sie wollen jetzt gegen die Informationspolitik der Behörden protestieren. Mittlerweile müssen die Suchmannschaften ein Gebiet so groß wie Australien abdecken.

  • Angehörige der Menschen an Bord der verschwundenen Boeing 777-200 protestieren gegen Informationspolitik
  • Kritik an malaysischen Behörden wächst
  • Suche nach Flugzeug nun auch über Land
  • China setzt Satelliten zur Ortung des Flugzeugs ein
  • Hintergrund aller Passagiere an Bord wird gecheckt

Verzweifelte Angehörige drohen mit Hungerstreik: Die Verwandten von chinesischen Passagieren an Bord des verschollenen malaysischen Flugzeugs wollen womöglich in Hungerstreik treten. Sie protestieren damit gegen die malaysische Informationspolitik zu dem Unglück. Ein Sprecher kritisierte, dass es zehn Tage nach dem Verschwinden der Passagiermaschine immer noch keine Hinweise gebe. Die Angehörigen würden nun zur malaysischen Botschaft in Peking gehen, "um den Botschafter zu finden", sagte der 63-jährige Wen Wancheng nach einem Treffen zwischen Vertretern von Malaysia Airlines und Angehörigen in einem Pekinger Hotel. Der Chef der Airline betonte, man tue alles, was man könne, um die Angehörigen auf dem Laufenden zu halten.

Malaysische Behörden unter Druck: In China wächst die Kritik an der als zögerlich empfundenen Informationspolitik Malaysias. In einem scharfen Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, den mehrere Zeitungen verbreiten, wird ein Mangel an zeitgemäßen Informationen und eine Vergeudung der massiven Suchbemühungen beklagt: "Angesichts der heutigen Technologie riecht der Zeitverzug entweder nach Vernachlässigung von Pflichten oder einem Zögern, Informationen umfassend und rechtzeitig zu teilen." Ministerpräsident Li Keqiang setzte in einem Telefongespräch seinen malaysischen Amtskollegen Najib Razak auch persönlich unter Druck. Malaysias Regierung wehrt sich gegen die Kritik und argumentiert, es wäre unverantwortlich, Informationen herauszugeben, die nicht verifiziert seien. Am Morgen versuchte er malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein via Twitter Optimismus zu verbreiten:

Suche über chinesischem Territorium: Die Suche nach dem auf mysteriöse Weise verschwundenen malaysischen Passagierflugzeug ist auf China ausgeweitet worden. Die Volksrepublik habe an seiner Nordwestgrenze begonnen nach der Maschine zu suchen, berichteten staatliche Medien unter Berufung auf Chinas Botschafter in Malaysia. Nach Angaben eines Sprechers des Außenministeriums in Peking wurden 21 Satelliten auf die Ortung des Flugzeugs angesetzt. Auch Radar werde eingesetzt. Damit konzentrieren sich die chinesischen Bemühungen auf den nördlichen Suchkorridor in Richtung Kasachstan, die Flug MH370 nach seiner mysteriösen Kurswende genommen haben könnte.

Kasachstan und Kirgistan haben keine Hinweise, dass das Flugzeug in ihren Luftraum eingedrungen sein könnte, berichtete Xinhua. Auch Pakistan und Indien wüssten nichts. Die Malaysia-Airlines-Maschine soll noch sieben Stunden unterwegs gewesen sein, nachdem sie vom Radar verschwand. Die Ermittler gehen davon aus, dass jemand an Bord absichtlich die Kommunikationssysteme ausstellte und die Maschine vom Kurs abbrachte.

Übersicht zum Verschwinden der Boeing.

(Foto: SZ-Grafik)

Riesiger Suchkorridor im Süden: Auf anderen möglichen Flugrouten in Richtung Süden über Indonesien in den Indischen Ozean koordiniert inzwischen Australien die Suchaktionen. Die Behörden decken ein etwa 600.000 Quadratkilometer großes Gebiet im südlichen Indischen Ozean ab, wie Einsatzleiter John Young von der Schifffahrtsbehörde AMSA sagte. Die Suche gleiche jedoch "der Suche nach der Nadel im Heuhaufen" und werde "mindestens mehrere Wochen dauern". Die eingesetzten Flugzeuge können demnach nur an der Wasseroberfläche nach Wrackteilen suchen. Für eine Suche unter Wasser sind sie nicht ausgerüstet. Australien flog am Dienstag südwestlich seiner Küste mit einem Seeaufklärer über den Indischen Ozean.

Bislang wurden zwei mögliche Gebiete ermittelt, die die Maschine überflogen haben könnte: Einmal in Richtung Nordwesten über Indien und Pakistan bis in die Region Kasachstan und Turkmenistan oder nach Südwesten über den Indischen Ozean. Das gesamte Suchgebiet umfasste eine ine Fläche von 7,7 Millionen Quadratkilometern, sagte Hishammuddin. Das entspricht in etwa der Größe Australiens und der 22-fachen Fläche Deutschlands. Malaysia hat zusätzliche Experten in die Suche mit einbezogen. Drei Experten der französischen Flugaufsicht sind mittlerweile in Kuala Lumpur eingetroffen. Sie wurden gebeten, ihre Erfahrungen aus der Suche nach dem 2009 über dem Atlantik abgestürzten Air-France-Flug 447 einzubringen.

Nasa hilft mit ISS-Daten: Selbst die US-Raumfahrtbehörde Nasa hilft mit und wertet unter anderem Bilder aus, die von Satelliten und der Internationalen Raumstation ISS aufgenommen wurden. Objekte, die größer sind als 30 Meter, könnten darauf identifiziert werden, sagte ein Sprecher. Mittlerweile suchen 26 Länder nach der Boeing 777. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf mehrere Möglichkeiten: Sabotage, Entführung, Terrorakt oder Selbstmord eines der Piloten.

Passagiere im Fokus der Ermittlungen: Nachdem sich die Ermittlungen bislang vor allem auf die beiden Piloten konzentriert haben, wird nun auch der persönliche Hintergrund aller 239 Menschen an Bord der verschwundenen Maschine überprüft. Chinas Botschafter betonte, bei den 153 chinesischen Staatsbürgern sei dies bereits geschehen. Es seien zahlreiche Informationen mit kriminellem Bezug ausgewertet worden. Zu Details könne er sich nicht äußern. Es gebe aber keine Hinweise für eine Verwicklung chinesischer Passagiere in eine Entführung oder einen Terrorangriff.

Malaysia Airlines MH370 Handwerklich begabter Routinier
Kapitän der verschwundenen Boeing

Handwerklich begabter Routinier

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Bislang ist völlig unklar, wer zuletzt die Kontrolle über die Maschine gehabt habe. Die New York Times meldet allerdings, dass die Kursänderung Richtung Westen offenbar vom Computersystem des Flugzeugs eingeleitet wurde - programmiert haben könne dies aller Wahrscheinlichkeit nur jemand, der sich mit der Steuerung ausgekannt habe. Der letzte Funkspruch kam vom Co-Piloten, der kurz vor dem Verlassen des malaysischen Luftraums meldete: "All right, good night".

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