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Malaysia-Airlines-Flug MH370:Maschine wich laut Ministerpräsident vom Kurs ab

Malaysian PM Razak addresses reporters as Transport Minister Hussein stands by him, at Kuala Lumpur International Airport

Auf einer Pressekonferenz am Samstag hat der malaysische Ministerpräsident Najib Razak (rechts; daneben: Verkehrsminister Hishammuddin Hussein) neue Details zum verschollenen Malaysia-Airlines-Flug bekanntgegeben.

(Foto: REUTERS)

Neue Hinweise zu verschollener Boeing: Die Passagiermaschine soll ihre Flugroute verlassen und den Kurs drastisch geändert haben. Offenbar wurden auch die Kommunikationssysteme absichtlich abgeschaltet.

Die Entwicklungen im Newsblog

  • Malaysischer Ministerpräsident: Maschine wich vom Kurs ab
  • Pilot hat offenbar bewusst Radar umgangen
  • Ministerpräsident dementiert Entführung
  • Suchzone könnte ausgeweitet werden

Maschine wich vom Kurs ab: Die seit einer Woche in Südostasien vermisste Passagiermaschine ist nach Überzeugung der Ermittler von ihrem Kurs abgewichen. Jemand habe die Maschine von Malaysia Airlines gewendet und in Richtung Westen gelenkt. Das berichtete der malaysische Ministerpräsident Najib Razak in Kuala Lumpur. Zudem deuteten die Flugbewegungen auf ein geplantes Vorgehen hin. Den Worten des Ministerpräsidents zufolge wurden zwei Kommunikationssysteme des Fliegers, die Daten zu Kontrollstationen übermitteln, "mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich" abgeschaltet, bevor es vor einer Woche die Ostküste Malaysias erreichte, sagt Razak.

Nach Informationen der New York Times wechselte die Boeing ihre Höhe und ihren Kurs wiederholt, nachdem der Kontakt mit der Bodenkontrolle abgebrochen war. Es erscheine so, als ob die Maschine zu diesem Zeitpunkt weiterhin von einem Piloten kontrolliert gewesen sei, berichtete die Zeitung unter Berufung auf amerikanische Behördenvertreter und andere informierte Kreise. Vom malaysischen Militär aufgezeichnete Radarsignale schienen demnach anzuzeigen, dass die Boeing 777-2000 kurz nach dem Verschwinden vom zivilen Radar auf eine Höhe von 13 700 Meter gestiegen sei - also höher, als es für diesen Flugzeugtyp zulässig sei. Dann habe sie eine scharfe Kurve in westlicher Richtung eingeschlagen und sei auf 7010 Meter abgestiegen, als sie sich der dicht bevölkerten Insel Penang genähert habe. Von dort sei sie wieder hochgeklettert und auf nordwestlichem Kurs in Richtung Indischer Ozean geflogen.

Ministerpräsident dementiert Entführung: Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak will Berichte zu einer Entführung nicht bestätigen. "Ungeachtet der Medienberichte, wonach das Flugzeug entführt wurde, möchte ich ganz deutlich machen, dass wir weiter in alle Richtungen ermitteln, was die Ursache der Kursänderung von Flug MH370 angeht", sagt er. Die Suche nach dem verschwundenen Flugzeug habe aber "eine neue Phase" erreicht.

Ranghoher Militär: Pilot hat offenbar Bewusst Radar umgangen. Ein ranghoher Militär, der nicht namentlich genannt werden will, sagt der Nachrichtenagentur AFP, ein erfahrener und kompetenter Pilot müsse die Boeing 777 stundenlang geflogen und dabei offenbar bewusst zivile Radargeräte umgangen haben. Aus den militärischen Radardaten ergebe sich außerdem, dass das Flugzeug seinen Kurs radikal geändert und nordöstlich in Richtung Indischer Ozean geflogen sei. Zu den Suchaktionen stießen zudem der US-Zerstörer "USS Kidd" und ein P-8 Poseidonfflugzeug der US-Luftwaffe.

Suchzone könnte ausgeweitet werden: Nach Angaben der US-Regierung könnte das Suchgebiet wegen "neuer Informationen" noch weiter nach Westen in den Indischen Ozean ausgedehnt werden. "Wir stehen in Beratungen mit internationalen Partnern über die Verlegung angemessener Einheiten", erklärt das Weiße Haus. Der Zerstörer "USS Kidd" werde auf Bitten der malaysischen Regierung im westlichen Teil der Meerenge nach der Boeing 777 suchen. Aus US-Behördenkreisen heißt es, Spionagesatelliten hätten zum möglichen Unglückszeitpunkt keine Explosionen im Luftraum registriert.

Verkehrsminister dementiert Medienbericht: Hishammuddin Hussein, Verteidigungsminister und geschäftsführender Verkehrsminister in Malaysia, dementiert auf einer Pressekonferenz den Bericht des Wall Street Journal, wonach die verschwundene Maschine Stunden länger in der Luft gewesen sein könnte als bislang angenommen. Dieser Bericht sei "falsch".

Im Wall Street Journal von Donnerstag heißt es: US-Luftfahrt- und Sicherheitsexperten stützten ihre Vermutung auf Daten, die die Triebwerke automatisch gesendet hätten. Diese Daten legten nahe, dass die Boeing 777 insgesamt fünf Stunden in der Luft war - vom Radar verschwand sie etwa eine Stunde nach dem Start. Demnach hätte sie sich also noch Hunderte Kilometer von ihrer letzten bekannten Position entfernt haben können.

Hussein verspricht weiterhin intensive Bemühungen: Bei seinem Presse-Briefing weist Verkehrsminister Hussein Kritik an Kommunikation und Koordination der malaysischen Behörden entschieden zurück. Man befinde sich in einer nie dagewesenen Situation, sagt Hussein. "Wir haben nichts getan, was die Suche aufs Spiel setzen könnte." Keinerlei Informationen seien unnötig zurückgehalten worden. Eine Überprüfung jeglicher Information sei jedoch wichtig - auch um den Angehörigen unnötige Aufregung zu ersparen. "Malaysia hat nichts zu verbergen", sagt Hussein. "Vertrauen Sie mir: Wir werden nicht aufgeben."

Erneute Enttäuschung nach Entdeckung möglicher Wrackteile: Ein chinesischer Satellit hat bereits am Sonntag drei "schwimmende Objekte" fotografiert - etwa dort, wo die Maschine auf ihrem Kurs von Kuala Lumpur nach Peking ursprünglich zuletzt vermutet worden war. Doch die vietnamesische Luftfahrtbehörde hat nur schlechte Nachrichten zu verkünden: Man habe auch an dieser Stelle nichts gefunden. Eine Sprecherin von Chinas Luftverkehrsbehörde CAAC bestätigte das: "Wir haben bestätigt, dass sie (die Trümmerteile, Anm. d. Red.) mit dem Flugzeug nichts zu tun haben."

Verwirrung um Flugroute: In der Frage nach der letzten gesicherten Position des Flugzeugs häufen sich widersprüchliche Angaben. Ursprünglich hieß es, die Maschine sei zuletzt jenseits der Ostküste der Malaiischen Halbinsel auf ihrer geplanten Route Richtung Vietnam geortet worden. Am Dienstag allerdings berichteten malaysische Militärs, man habe zuletzt Signale in der Straße von Malakka westlich des Landes empfangen, nachdem die Maschine ihre ursprüngliche Richtung geändert habe. Ob diese Angaben tatsächlich zutreffend sind, ist allerdings fraglich. Das Flugzeug hätte bis zur Straße von Malakka Hunderte Kilometer unentdeckt durch einen Luftraum mit viel Verkehr und über Land fliegen müssen.

Ausgedehnte Suche: Mit jeder neuen Vermutung über die mutmaßliche Flugroute wurde das Suchgebiet ausgedeht, Schwerpunkte verlagert. An der Suche aus der Luft und vom Wasser aus beteiligen sich etliche Nationen. Inzwischen hilft auch Vietnam wieder mit - nachdem das Land aus Kritik an der malaysischen Informationspolitik seine Suchaktivitäten reduziert hatte.

Malaysia Airlines ändert Kennung: Die Fluggesellschaft ändert die Nummer ihres Linienflugs von Kuala Lumpur nach Peking. Die Verbindung trägt fortan die Kennung MH318 - und nicht mehr MH370.

Zermürbende Situation für die Angehörigen: Angesichts aller Spekulationen gerät die schwierige Lage der Angehörigen der 227 Passagiere und der Crew aus dem Blick. Viele sind von China - 153 Passagiere stammten von dort - nach Malaysia gereist und warten dort auf Nachrichten. Malaysia Airlines wird weiter Angehörige von Peking nach Kuala Lumpur fliegen. Die chinesischen und malaysischen Behörden bemühen sich nach massiver Kritik an ihrer Passivität, dass Reisewillige umgehend die nötigen Dokumente bekommen.

Eine 93-köpfige Arbeitsgruppe von Malaysia Airlines ist zudem von Kuala Lumpur nach Peking geflogen, um sich auch dort um die Familien zu kümmern. Angebote der Fluggesellschaft, die Angehörigen finanziell zu unterstützen, stießen teils auf Misstrauen und wurden abgelehnt. "Je mehr Zeit vergeht, desto geringer ist die Chance, Leben zu retten", sagte Bleu Moore, der Sprecher der an der Suche beteiligten US-Marine. Die Angehörigen hoffen weiterhin auf ein Wunder.

Linktipps:

Was man bisher über die vermisste Boeing weiß und in welche Richtungen ermittelt wird.

Ein Flugzeug verschwindet - und keiner weiß, warum. Mögliche Szenarien hat CNN aufgelistet.

Warum werden Flugdatenschreiber nicht durch modernere Techniken ersetzt? Oliver Klasen hat die Debatte um die Black Box nachgezeichnet.

© SZ.de/AFP/dpa/Reuters/sebi/feko/fran

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