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Mafia-Morde von Duisburg:Razzia in San Luca

Vier Monate nach den Mafia-Morden von Duisburg nimmt die Polizei vier Verdächtige fest. Eine Feuertaufe für die neue deutsch-italienische Task Force gegen die Mafia, die vor wenigen Tagen gegründet wurde.

Giovanni Strangio ist entkommen. Polizisten eines Sonderkommandos klingelten am frühen Dienstag noch bei Dunkelheit an der Tür seiner Wohnung nahe der Mafia-Hochburg San Luca in Kalabrien. Sie wollten den 29 Jahre alten, zierlichen Mann mit den feinen Gesichtszügen schnappen, der seit Monaten mit deutschem und italienischem Haftbefehl weltweit gesucht wird. Er soll einer der beiden Killer sein, die am 15. August sechs Italiener vor dem Restaurant "Da Bruno" in Duisburg erschossen haben. Die Beamten aber trafen jetzt nur dessen Verwandte an. Strangio hatte wohl geahnt, dass ihm die Familie diesmal keine sichere Zuflucht bieten konnte.

Einer der Verdächtigen bei der Festnahme in San Luca.

(Foto: Foto: AP)

Dafür gelang es den Fahndern nun, mindestens vier andere mutmaßliche Mitglieder aus dem in San Luca ansässigen Mafiaclan der Nirta-Strangio zu fassen. Zwei von ihnen wurden in Kalabrien, zwei andere auf Ersuchen der italienischen Justiz in Nordrhein-Westfalen festgenommen.

Ihnen wird Mitgliedschaft in der 'Ndrangheta, der kalabrischen Mafia, sowie Mord und Waffenhandel vorgeworfen. Zwar sollen sie nicht direkt bei dem Massaker von Duisburg mitgemacht haben. Ihre Festsetzung dürfte den Clan der Nirta-Strangio aber schwächen.

Die Aktion war so etwas wie die Feuertaufe für eine neue deutsch-italienische Task Force gegen die Mafia, die vor wenigen Tagen gegründet wurde. Vertreter der Justiz lobten die Zusammenarbeit als beispielhaft. Innenminister Giuliano Amato versprach weitere Erfolge: "Auch Strangio wird uns nicht entkommen."

Der junge Mann mit den blauen Augen ist in eine der blutrünstigsten Auseinandersetzungen innerhalb der kalabrischen Mafia verwickelt. Diese "Fehde von San Luca" soll auf einen Faschingsscherz im Jahre 1991 zurück gehen. Damals bewarfen Jugendliche aus dem Clan der Pelle-Vottari Mitglieder der Familie der Nirta-Strangio mit Orangen oder, wie auch kolportiert wird, mit Eiern. Bald darauf wurde scharf geschossen.

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