Nordrhein-Westfalen Beamte sollen Dienstgeheimnisse an Mafia verraten haben

  • Bei einer Razzia gegen die italienische Mafiaorganisation 'Ndrangheta sind am Mittwoch 15 Verdächtige in Deutschland festgenommen worden, gegen 47 weitere wird ermittelt.
  • Darunter sind auch fünf Beamte aus Nordrhein-Westfalen, die Dienstgeheimnisse weitergegeben haben sollen.
  • Um welche Art von Informationen es sich handelt, sagten die Ermittler nicht.

Fünf Beamte in Nordrhein-Westfalen sollen Dienstgeheimnisse an die italienische Mafia weitergegeben haben. Dabei handele es sich um zwei Polizisten, eine Regierungsbeschäftigte der Polizei, eine Mitarbeiterin der Stadt Wesseling und eine ehemalige Mitarbeiterin der Stadt Duisburg, sagte eine Sprecherin der Duisburger Staatsanwaltschaft. Gegen die Beschuldigten werde ermittelt. Welche Art von Informationen sie weitergegeben haben sollen, sagten die Ermittler nicht.

Die Ermittlungen gegen die Beamten sind Teil der Operation "Pollino". Am Mittwoch waren bei einer internationalen Razzia gegen die Mafiagruppe 'Ndrangheta 84 Verdächtige festgenommen worden, 15 davon in Deutschland. Gegen insgesamt 47 Beschuldigte wird ermittelt. Als einer der Hauptverdächtigen gilt ein Restaurantbesitzer aus Pulheim bei Köln. Er soll ein führendes Mitglied der 'Ndrangheta in Deutschland sein.

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Christian Hoppe, der Kriminaldirektor des Bundeskriminalamtes (BKA), legte schon am Mittwoch auf der internationalen Pressekonferenz in Den Haag offen, dass es während der zweijährigen Ermittlungen in Deutschland gegen die italienische Mafiaorganisation 'Ndrangheta "Durchstecherei von sensiblen Daten" und Leaks gegeben habe.

Die 'Ndrangheta gilt als einer der mächtigsten Mafiaorganisationen Europas. Nach Angaben des FBI hat die 'Ndrangheta weltweit etwa 6000 Mitglieder in 160 sogenannten Clans. Diese hängen über Familienbande miteinander zusammen. Jährlich soll die Organisation einen Umsatz zwischen 50 und 100 Milliarden Euro machen, vor allem durch den Handel mit Drogen. In Nordrhein-Westfalen zählt die Polizei etwa 120 Personen zum Spektrum "Italienische Organisierte Kriminalität" (IOK).

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