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Kindesmissbrauch in Lügde:Nirgends ein Schuldiger

NRW-Untersuchungsausschuss zu Kindesmissbrauch

Lügde: Die Staatsanwaltschaft Detmold hat die Verfahren gegen Behördenmitarbeiter eingestellt.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Im größten Fall von Kindesmissbrauch in Deutschland muss sich niemand außer den Tätern vor Gericht verantworten. Dabei wäre genau das notwendig gewesen.

Kommentar von Annette Ramelsberger

Es ist der größte Fall von Kindesmissbrauch in Deutschland, der Fall Lügde. Er wurde begangen unter den Augen von Jugendamt, Familienhelfern und Polizei. Hinweise auf dieses Verbrechen gingen immer wieder an die Behörden, sie wurden nicht ernst genommen, nicht weitergegeben, nicht verfolgt. Bei der Polizei verschwanden Asservate. Eine Mitarbeiterin des Jugendamts und ihr Chef haben sogar Akten manipuliert, um eigenes Versagen zu vertuschen. Was rund um Lügde geschah, war organisierte Verantwortungslosigkeit.

Nun aber soll niemand, wirklich niemand, außer den Tätern verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat die Verfahren gegen einen Polizisten, Familienberaterinnen, sogar gegen die Mitarbeiterin und den Leiter des Jugendamts, die die Akten gefälscht haben, eingestellt - mit zum Teil haarsträubenden, formalistischen Begründungen. Keiner ist an irgendetwas schuld, nirgends. Niemand muss sich nun vor Gericht verantworten.

Dabei wäre genau das notwendig gewesen. Ein öffentlicher Prozess hätte ein Beitrag sein können zur Fehlerkultur in den Behörden, ein Warnschuss für jene, die Dienst nach Vorschrift machen, ein Aufruf zur Verantwortlichkeit. Doch nun soll alles im Sande verlaufen. Wer aber nicht aus Fehlern lernt, begünstigt die nächsten Taten.

© SZ vom 12.03.2020
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