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Missbrauch in Lügde:Jugendamtsmitarbeiter soll Daten manipuliert haben

Campingplatz in Lügde

Der Campingplatz Eichwald in Lügde.

(Foto: dpa)
  • Auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde sollen jahrelang mindestens 31 Kinder sexuell missbraucht und dabei auch gefilmt worden sein.
  • Ein Behördenmitarbeiter des zuständigen Jugendamts Hameln-Pyrmont hat eingestanden, nachträglich Akten zu dem Fall geändert zu haben.
  • Insgesamt wird gegen sechs Tatverdächtige ermittelt - außerdem laufen parallel Ermittlungen gegen Polizisten und Jugendamtsmitarbeiter, die Hinweisen nicht nachgegangen sein sollen.

Im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde hat der Landkreis Hameln-Pyrmont (Niedersachsen) am Freitag mitgeteilt, "dass ein Mitarbeiter am heutigen Tage eingeräumt habe, einen Vermerk nachträglich in Akten des Jugendamtes einsortiert zu haben. Er wollte die Akte um einen fehlenden Vermerk ergänzen und so die Akte vervollständigen", wird dort der Landrat Tjark Bartels (SPD) zitiert.

Worum es sich bei diesen Informationen handelt, ob sie falsch oder richtig waren, wird nicht genannt. Auch, ob es sich um ein Versehen oder eine bewusste Tat des Mitarbeiters handelt, ist noch unklar. Der Fall werde derzeit geprüft. Der betreffende Mitarbeiter sei ab sofort vorsorglich vom Dienst freigestellt, bis die Vorwürfe geklärt seien. Die Staatsanwaltschaft sei vom Landrat informiert worden, auch der Mitarbeiter habe sich dort gemeldet, heißt es.

Das Jugendamt Hameln-Pyrmont war zuständig für die heute achtjährige Pflegetochter des Hauptverdächtigen im Lügder Missbrauchsfall. Jugendamtsmitarbeiter hatten das Mädchen nach siebenmonatiger Prüfung ab 2017 offiziell dem 56-jährigen Dauercamper Andreas V. anvertraut, der über einen Zeitraum von zehn Jahren mindestens 31 Kinder sexuell missbraucht haben soll. Gemeinsam mit einem 33-Jährigen aus Steinheim soll er diese Taten auch gefilmt haben. Ein 48-Jähriger aus Stade soll in zwei Fällen per Live-Chat am Missbrauch teilgenommen haben. Die drei Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Parallel wird auch gegen zwei Polizisten aus dem Kreis Lippe und Mitarbeiter der Jugendämter Hameln-Pyrmont und Lippe ermittelt, weil diese Hinweisen auf sexuellen Missbrauch aus den Jahren 2016 nicht nachgegangen sein sollen.

Ermittler prüfen Verdacht auf Datenlöschung

Am Donnerstag war außerdem bekannt geworden, dass es in dem Fall - neben den drei hauptverdächtigen Männern - drei weitere Tatverdächtige gibt, darunter auch eine Person gegen die wegen des Verdachts der Datenlöschung ermittelt wird. Gegen diesen Verdächtigen führe man ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Geprüft werde, ob die Person Daten für einen der drei Hauptverdächtigen gelöscht hat und ob damit eine Bestrafung verhindert werden sollte.

"Ein dringender Tatverdacht wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern beziehungsweise der Beteiligung daran besteht nur gegen die in Haft befindlichen Beschuldigten", sagte Vetter. Bei den zwei anderen Verdächtigen hätten sich "Hinweise auf mögliche Unterstützungsleistungen" ergeben. In diesen zwei Fällen bestehe "allenfalls noch ein geringer Tatverdacht wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern." Zum Kreis dieser drei Personen machte Vetter aus "ermittlungstaktischen, aber auch aus Persönlichkeitsschutzgründen" keine genaueren Angaben.

Im dem Ende 2018 aufgeflogenen massenhaften sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen werten die Ermittler nach eigenen Angaben mehr als 13 000 Dateien mit Kinderpornografie aus.

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