bedeckt München

Loveparade-Unglück:Duisburgs Ex-OB: "Wahrscheinlich hätte ich früher auf die Opfer zugehen müssen"

Will nicht freiwillig aus seinem Amt scheiden: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU)

Nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten in Duisburg stand hauptsächlich ein Mann im Zentrum der Kritik: Der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

(Foto: dpa)

Zum ersten Mal seit seiner Abwahl hat sich Adolf Sauerland zum Loveparade-Unglück geäußert. Und Fehler eingeräumt.

Nach der Katastrophe 2010 habe er sich bemüht, keine juristischen Fehler zu machen und dabei "das Mitgefühl für die Angehörigen" vergessen, sagte der ehemalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland dem Zeit-Magazin und dem WDR in einem Interview. "Wahrscheinlich hätte ich viel früher auf die Opfer zugehen müssen."

Bei der Massenpanik auf der Loveparade am 24. Juli 2010 waren 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden verletzt. Sauerland war kritisiert worden, weil er nicht die Verantwortung für das Unglück übernommen hatte. 2012 wurde er abgewählt. Er arbeitet heute im Reisebüro seiner Familie.

"Wofür entschuldigen? Wofür?"

Von Kunden werde er häufig gefragt, warum er sich nicht eher entschuldigt habe, sagte Sauerland. "Es gibt Dinge, über die man schlecht sprechen kann. Wofür entschuldigen? Wofür? Dass die Kinder tot sind? Da gibt es keine Entschuldigung für! Da gibt es Verantwortung für!" Nach wie vor sieht er keinen Grund, Verantwortung zu übernehmen. "Zurückzutreten, das wäre für mich eine Flucht gewesen", sagte Sauerland. Solle wirklich etwas juristisch falsch gelaufen sein, zum Beispiel bei der Genehmigung, dann könne man politische Verantwortung verlangen. "Aber ich hatte mir nichts vorzuwerfen", so der ehemalige Oberbürgermeister.

Man habe jemanden gesucht, den man zur Verantwortung ziehen konnte, dem man die Schuld zuweisen konnte, hinter dem man sich verstecken konnte, und das sei er gewesen, sagte der 60-Jährige im Interview. Er könne sich dafür entschuldigen, dass er nicht die Kraft gehabt habe, auf die Leute zuzugehen.

© SZ.de/dpa/epd/vbol/fie

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite