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Loveparade-Prozess:"Wir wollten Aufklärung"

Loveparade Prozess

Klaus-Peter und Stefanie Mogendorf, Nebenkläger im Loveparade-Prozess, informieren Journalisten während eines Pressegespräches.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Opfereltern sind unzufrieden, weil der Prozess nur gegen drei Angeklagte fortgeführt wird.

Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Es gehe nicht um Rache, betont Klaus-Peter Mogendorf, als er an diesem Mittwoch vor die Öffentlichkeit tritt. "Wir wollten in erster Linie eine korrekte Aufklärung." Warum starb sein Sohn Eike? Warum wurde er am 24. Juli 2010 im Gedränge bei der Loveparade in Duisburg erdrückt, so wie 20 weitere Menschen? Warum hatten die Bauamt-Mitarbeiter die Planung genehmigt, obwohl sie lange Bedenken hatten? "Das sind so Punkte, die wir ganz gerne aufgeklärt haben wollten, was jetzt aber anscheinend nicht mehr möglich ist", sagt Mogendorf.

Das Landgericht Duisburg hat den Loveparade-Prozess gegen sieben der zehn Angeklagten eingestellt. Die Verfahren gegen sechs Beschäftigte des Bauamtes und den Kreativdirektor der Veranstalterfirma Lopavent endet ohne Urteil, weil die Angeklagten nach Auffassung des Gerichts allenfalls eine geringe individuelle Schuld trifft. Nach Ansicht von Richter und Staatwanwaltschaft ist "kollektives Versagen" für die Katastrophe verantwortlich, bei der auch mehr als 650 Menschen verletzt wurden.

Mogendorf, Bauingenieur von Beruf, trägt einen dunkelblauen Pullover und hält die Arme verschränkt. Man verdanke dem Strafprozess "wichtige Erkenntnisse" über die Loveparade, sagt er. Und doch sei es ein Schock gewesen, als das Gericht Mitte Januar gar vorgeschlagen hatte, das Verfahren gegen alle zehn Angeklagten einzustellen. "Wir waren wie vor den Kopf geschlagen. Für eine solche Schlussfolgerung ist es zu früh", sagt Mogendorf.

Mehr als 500 Zeugen

In das Sachverständigengutachten zur Loveparade sind Angaben von mehr als 500 Zeugen eingeflossen. Erst 59 davon hat das Gericht bislang angehört - darunter war niemand aus dem Bauamt, kritisiert Mogendorf. Das Gericht kämpft jedoch gegen die Zeit: Wenn es bis Juli 2020, kein Urteil fällt, werden die Vorwürfe der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung verjähren.

Der Prozess geht nun noch gegen drei Lopavent-Beschäftigte weiter. Sie haben eine Einstellung abgelehnt, setzen stattdessen auf einen Freispruch. Das liegt auch daran, dass Richter und Staatsanwaltschaft die Verfahren gegen sie nur gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt hätten.

Der Vorteil der jetzigen Entscheidung sei bezüglich der Verjährungsfrist, dass das Gericht nun auf die Genehmigung der Loveparade, für die Mitarbeiter der Stadt zuständig waren, keinen Schwerpunkt mehr legen müsse, sagt Henning Ernst Müller, Strafrechts- und Kriminologieprofessor an der Uni Regensburg, der den Prozess seit Jahren wissenschaftlich begleitet. Müller kritisiert aber, dass das Gericht das vorläufige Sachverständigengutachten noch nicht in die Verhandlung eingebracht hat - obwohl Richter, Staatsanwälte und Verteidiger auf dessen Grundlage über die Einstellung des Verfahrens entschieden haben.

Dass das Verfahren gegen die Mehrheit der Angeklagten ohne Urteil zu Ende gehen könnte, hatte Mogendorf nach eigenem Bekunden schon vor Jahren befürchtet. Seine Familie werde mit dem Prozess abschließen. Aber der Verlust des Sohnes und die Folgen würden bleiben. "Wir werden den Rest unseres Lebens darunter leiden."

© SZ vom 07.02.2019
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