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Presseschau:"Parade des Horrors"

Weltweite Bestürzung nach dem Drama auf der Loveparade in Duisburg: Die Tragödie bestimmt auch die Schlagzeilen der ausländischen Medien. Ein Überblick.

Die Tragödie auf der Loveparade in Duisburg hat nicht nur in Deutschland Entsetzen ausgelöst. Weltweit bestimmt das Unglück, bei dem mindestens 19 Menschen starben, die Schlagzeilen der Zeitungen. Ein Überblick.

Tote bei Loveparade

Das Unglück in Duisburg löste weltweit Trauer und Bestürzung aus. Die ausländischen Medien sehen die Schuld bei den Organisatoren.

(Foto: dpa)

In Anspielung auf das Motto des weltweit bekannten Techno-Spektakels schreibt etwa das israelische Blatt Jediot Achronot: "Sie kamen aus Liebe und wurden zu Tode gequetscht."

Die spanische Tageszeitung El Mundo titelt: "Der Umzug der Liebe wurde zur Parade des Horrors."

Auch in Russland wird die Tragödie, die sich im Ruhrgebiet ereigent hat, von den Medien aufgegriffen. "Mindestens 19 Menschen sterben beim Festival gegen Hass und Zwietracht in Duisburg", schreibt Argumenty i Fakty: "Liebesparade wird zur Todesparade".

Die italienische La Repubblica schreibt gar von einem "Massaker", das sich im "Tunnel der Hölle" ereignet habe.

Tenor der Berichterstattung im Ausland: Viele sehen die Schuld an der Tragödie bei den Organisatoren. Die spanische Zeitung El País etwa schreibt, eine Feier in der Größenordnung der Loveparade sei für eine Stadt wie Duisburg mit weniger als einer halben Million Einwohnern "eine organisatorische Herausforderung". Der Ansturm sei doppelt so groß wie die Einwohnerzahl gewesen. "Der Tunneleingang wurde zur Todesfalle", schreibt El País.

Auch die dänische Zeitung Ekstra Bladet sieht die Organisatoren in der Verantwortung. Das Unglück sei vorhersehbar gewesen. "Die Katastrophe war abzusehen, denn die Veranstalter ließen viel zu viele Menschen hereinkommen." Der Bahnhof in Duisburg sei "viel zu klein für so ein Riesenereignis wie die Loveparade".

Die Entscheidung der Organisatoren, die Loveparade trotz des Unglücks nicht abzubrechen, stieß bei den ausländischen Medien auf Kritik. "Tragödie im Tunnel bei der Techno-Parade, doch für 1,4 Millionen geht das Fest weiter", schreibt die italienische La Stampa und kommt zu dem traurigen Fazit: "Deutschland, Blutbad der Musik."

Die französische Le Monde berichtet in ihrer Internetausgabe, der Großteil der Gäste habe ignoriert, dass sich ein Drama auf der Technoparade ereignet hatte und einfach weiter gefeiert.

Die Polizei sei den Warnungen von Augenzeugen, dass der Tunnel bereits völlig überfüllt sei, nicht nachgegangen, schreibt das britische Boulebard-Blatt The Sun.

© sueddeutsche.de/dpa/dmo/bavo

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