Süddeutsche Zeitung

Loveparade-Katastrophe:Niemandsland in Duisburg

Knapp drei Wochen nach der Katastrophe von Duisburg hat das Gelände, auf dem 21 Menschen starben, einen neuen Eigentümer. Der will dort eigentlich ein Möbelhaus errichten - sich aus Rücksicht auf die Opfer aber zunächst zurückhalten.

Während viele Menschen immer noch versuchen zu begreifen, was sich bei der Loveparade auf dem ehemaligen Duisburger Güterbahnhof abgespielt hat, planen andere die Zukunft des Geländes. Der Tunnel, der zum Symbol für die tödliche Enge der Massenpanik wurde, wird am 4. September wieder für den Verkehr geöffnet. Um 14 Uhr werden alle Trauergaben und Kerzen eingesammelt um dann in einen Glaskubus im Duisburger Innenhafen ausgestellt zu werden. An der Unglücksstelle erinnert dann nur noch eine Gedenktafel an die 21 Opfer.

Und auch für den Rest des Geländes gibt es bereits Pläne - inzwischen ist jedoch nicht mehr sicher, ob sie umgesetzt werden. Der Veranstalter Lopavent übergab das Areal am Mittwoch an die Berliner Möbelkette Krieger, die das Gelände bereits Mitte Mai gekauft hatte. Krieger betreibt bundesweit 16 Möbelhäuser der Marke "Höffner" - so eines sollte auch in Duisburg entstehen. Der Möbelhändler will nun nichts überstürzen: "Wir möchten den Angehörigen der Opfer nicht zu nahe treten", sagte ein Firmensprecher dem Onlineportal wdr.de. "Es wäre sehr unangebracht, wenn wir jetzt mit Planungen beginnen." Deswegen seien alle Überlegungen zurückgestellt worden.

"Noch keine konkreten Planungen"

Krieger wollte nach früheren Angaben auf dem rund 300.000 Quadratmeter großen Gelände unter anderem ein Möbelhaus mit Logistikzentrum bauen und einen Park anlegen. Dieser Plan sei noch nicht komplett vom Tisch. "Unser Angebot besteht weiter", sagte der Sprecher - weitere Angaben wollte er nicht machen.

Der Sprecher der Möbelkette bestätigte, dass es interne Überlegungen zur Einrichtung einer Trauerkapelle gegeben habe. "Wir haben da aber noch keine konkreten Planungen", so der Krieger-Mitarbeiter. Das Angebot eines Gedenkortes sei an die Angehörigen übermittelt worden. Jetzt warte man die Reaktionen ab.

"Zunächst muss erinnert werden"

Die Möbelkette hatte das Gelände vom Flächenvermarkter Aurelis gekauft, der noch weitere 50.000 Quadratmeter in der Nähe des Krieger-Geländes besitzt. Diese sollte mit Dienstleistungsgebäuden bebaut werden. Doch auch Aurelis stellt die Vermarktung zurück. "Auf der Fläche muss zunächst an die Tragödie erinnert werden", sagte Heck.

Das gesamte Areal sollte einen neuen Namen erhalten, "Duisburger Freiheit" sollte es nach der Umgestaltung heißen. Der Star-Architekt Norman Foster hatte einen Masterplan für den geplanten Park entwickelt. Ob der Name nun aus Pietätsgründen fallen gelassen werde, konnte Duisburgs Stadtsprecher Frank Kopatschek noch nicht sagen. Er betonte, dass es sich dabei um einen Arbeitstitel handele.

Unterdessen hat sich die Stadt Duisburg nach einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) einen Medienberater gesucht: Sie will sich vom früheren Düsseldorfer Focus-Korrespondenten Karl-Heinz Steinkühler als Medienberater unterstützen lassen. "Wir nehmen zu diesem Thema keine Stellung", hieß es dazu bei der Stadt. Allerdings äußerte sich die von der Stadt mit der Unterstützung von internen Untersuchungen zur Loveparade-Katastrophe beauftragte Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek in Düsseldorf: "Im Rahmen dieses Mandates hat die Kanzlei wie bei ähnlichen öffentlichkeitsrelevanten Verfahren einen Medien- und Politikberater hinzugezogen", hieß es in einer Stellungnahme.

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