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Loveparade-Katastrophe:Chaos beim Schichtwechsel

Neue Ermitttlungsergebnisse zeigen, dass für das dramatische Ende der Loveparade in Duisburg mit 21 Toten sind nicht nur Stadt und Veranstalter verantwortlich: Auch die Polizei soll gravierende Fehler begangen haben.

Die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade im Juli 2010 ist möglicherweise durch gravierende Fehler der Polizei mitverursacht worden.

´Spiegel": gravierende Polizeifehler bei Loveparade-Katastrophe

Tausende Raver drängen sich am 24.07.2010 in und vor dem Tunnel in Duisburg - gravierende Polizeifehler sollen das Unglück laut Spiegel mitverursacht haben.

(Foto: dpa)

In der besonders kritischen Phase des Einsatzes habe ein Schichtwechsel der Bereitschaftspolizei ein Eingreifen der Sicherheitskräfte verhindert, berichtet der Spiegel unter Berufung auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg. So hätten in der Zeit des größten Andrangs nicht genügend Polizisten zur Verfügung gestanden, um zu verhindern, dass weitere Besucher in den bereits völlig überfüllten Zugangsbereich strömten, wo viele Tausende im Tunnel oder auf der Rampe zum Gelände feststeckten. Dort wurden schließlich 21 Menschen von der Menge zu Tode gedrückt.

Kein Funkempfang im Tunnel

Nach Informationen des Magazins war der Schichtwechsel in den ursprünglichen Einsatzplanungen gar nicht vorgesehen, er kam erst durch eine Intervention der Personalvertretung in letzter Minute zu Stande. In einem Erlass des damaligen Innenministers Ingo Wolf (FDP) sei wenige Wochen vor der Loveparade bestimmt worden, die Dienstzeit der eingesetzten Beamten auf maximal zwölf Stunden zu begrenzen, einschließlich An- und Abreise.

Die Änderung des Einsatzbefehls habe polizeiintern für scharfe Kritik gesorgt, da die Ablösung durch das Gedränge den neuen Einsatzort nur schwerlich erreichen und für mehrere Stunden keine volle Einsatzfähigkeit der Polizei garantiert werden könne. Vertreter der Polizeigewerkschaft wiesen die Darstellung zurück. Bei Ablösungen warte das alte Personal immer, bis die neuen Beamten komplett erschienen seien.

Zusätzliche Probleme ergaben sich aber offenbar in der Kommunikation der Polizei, die in der kritischen Einsatzphase ihre wichtigsten Führungskräfte nur schlecht erreichen konnte, weil der Funkempfang im Tunnel nicht möglich war und das Handynetz ständig zusammenbrach. Nur ein "verschwindend geringer" Teil der Polizei-Handys sei zuvor bei der Bundesnetzagentur für eine Vorrang-Schaltung angemeldet worden, die eine Kommunikation der Polizei auch in überlasteten Netzen ermöglicht hätte, berichtet der Spiegel. Das Innenministerium wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern, "um den Erfolg des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht zu gefährden", wie ein Sprecher erklärte.

In seiner Gesamtheit kommt der Bericht der Staatsanwaltschaft aber offenbar zu dem Ergebnis, dass die Stadt die Loveparade niemals hätte genehmigen dürfen und die zuständigen Ämter dies auch nur auf politischen Druck von oben taten. Zudem habe es im Konzept des Veranstalters, des Fitness-Unternehmers Rainer Schaller, schwerwiegende Mängel gegeben.

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