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Lotto wird teurer:"Den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker"

Lotto spielen wird teurer

Sobald 45 Millionen Euro im Jackpot sind, wird künftig ausgeschüttet. Allerdings steigt der Preis für das Spielfeld bei "6 aus 49".

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Wer hofft nicht darauf, einmal den Jackpot zu knacken? Doch eigentlich lohnt sich das Spiel mit dem Zahlenglück nur für den Staat, der damit mehrere Millionen jährlich erwirtschaftet. Nun wird die Lotto-Gebühr auch noch erhöht.

Von Martin Zips

Sieben Jahre nach der letzten Preiserhöhung wird bei den rund 21 500 deutschen Lotto-Verkaufsstellen der Spielschein "6 aus 49" teurer. Künftig kostet ein Tippkasten 1,20 Euro statt nur einen Euro. Die federführende Gesellschaft Lotto Baden-Württemberg verspricht sich davon "einen langsamen, aber stetigen Zuwachs der Spieleinsätze". Ein Anruf in einem Lottoladen.

SZ: Frau Kölling, seit wann nehmen Sie in Menden-Lendringsen denn schon Lottoscheine entgegen?

Marion Kölling: Seit 42 Jahren! Und unseren Zeitschriftenladen gibt es bereits seit 1909. Woche für Woche geben rund 800 Menschen bei mir ihre Tippscheine ab.

Nun wird das Ausfüllen der Scheine teurer.

Ja gut. Aber viel ändern wird sich dadurch für mich nicht. Da gibt es sicher nicht viele, die wegen der 20 Cent mehr pro Tippfeld jetzt nicht mehr spielen wollen. Die meisten sind ja regelmäßige Spieler. Die tippen jedes Mal die gleichen Zahlen und hoffen auf den Hauptgewinn. Und dann gibt es noch diejenigen, die nur kommen, wenn der Jackpot besonders prall gefüllt ist. Das sind aber deutlich weniger.

Lotto, das wurde in Deutschland ja für den Wiederaufbau nach dem Krieg eingeführt. Und heute sind die staatlichen Einnahmen aus Glücksspielen höher als die aus der Gewerbesteuer.

Für den Staat ist das eine ganz, ganz wichtige Einnahmequelle. Aber es ist ja auch nicht so, dass wir bei uns im Laden noch nie einen Gewinner gehabt hätten. Erst gestern hatte ich einen sogenannten Zentralgewinn, also irgendwas jenseits der 5000-Euro-Marke. Ob das dann 5001 Euro sind oder fünf Millionen, das sagt man mir nicht. Das geht dann alles direkt über die Zentrale. Mir sind auf jeden Fall drei Personen bekannt, die bei mir im Laden zu Millionären geworden sind. Die leben aber alle nicht mehr. Deshalb darf ich's Ihnen erzählen.

Marion Kölling, 57, nimmt bereits seit 42 Jahren Tippscheine entgegen. Um wirtschaftlich zu überleben, vertreibt der von ihr geführte Zeitschriftenladen "Breunig Kölling" in Menden-Lendringsen mittlerweile auch Schuhe und "anspruchsvolle Geschenkartikel".

(Foto: privat)

Der Staat warnt gleichzeitig vor Glücksspielsucht. Da müssten Sie doch manchmal den Leuten sagen: "Nee, diese Woche nicht. Du hast eh kein Geld."

Einmal hat man mir auf so einer Lotto-Schulung gesagt: "Also, ihr müsst euch da schon Gedanken machen, wenn wieder ein Sozialhilfeempfänger vor euch steht." Aber das ist doch eine Farce! Da kann ich mir doch kein Urteil drüber erlauben. Ich kann doch nicht beurteilen, ob einer spielsüchtig ist oder nicht. Auf den Jugendschutz achte ich, das schon. Aber alles andere überfordert mich. Darüber sollen sich die Politiker den Kopf zerbrechen.

Hat sich bei Ihrer Kundschaft denn etwas verändert in der letzten Zeit?

Sicher. Den Leuten sitzt das Geld längst nicht mehr so locker wie früher. Gerade in Corona-Zeiten. Die spielen zwar noch. Aber mit weniger Einsatz.

An den Gewinnquoten ändert sich durch die Preiserhöhung ja nichts. Immerhin gibt es bei zwei Richtigen plus Superzahl künftig statt fünf jetzt sechs Euro. Und der Jackpot soll fortan ausgeschüttet werden, sobald in ihm 45 Millionen sind.

Klar. Damit will man die Spieler bei Laune halten. Die hören dann vom Jackpot und denken: "Das wäre die Lösung all meiner Probleme!" Gerade in Zeiten von Kurzarbeit. Und dann stehen sie wieder in meinem Laden. Meistens Mittelschicht. Und ich bin da auch nicht unglücklich darüber. Gerade in Zeiten, wo ich weniger Zeitschriften und Tabakwaren verkaufen kann. Es gibt hier eine ziemliche Abwanderung in die Städte.

Wäre es nicht gerechter, wenn der Staat das Geld aus dem Jackpot breiter verteilen würde?

Ja. Das ist auch meine Meinung. Aber die meisten Spieler schielen nun mal auf den Jackpot. Das muss man leider so sagen. Die wollen gleich das ganze Geld. Der Mensch ist eben so. Ich versteh's auch nicht.

Spielen Sie auch, Frau Kölling?

Neee. Glücksspiel, wissen Sie, das sagt doch der Name schon ... Ich glaube einfach nicht, dass es mir gelingen würde, einen Jackpot zu knacken. Ich bin eher für Sicherheit und Beständigkeit im Leben. Außerdem darf ich bei mir selber im Laden gar nicht spielen. Da müsste ich extra nach Menden fahren. Das kommt für mich nicht infrage.

© SZ/zip

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