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Los Angeles: Babyleichen entdeckt:Wie ein Krimi aus dem alten Hollywood

Und jetzt diskutiert Los Angeles. Auf den Leserbriefseiten und in den Kommentarspalten der Zeitungen, in Internetportalen und im lokalen Fernsehen. Die Stadt diskutiert mehr als 70 Jahre alte Babyleichen. Los Angeles sei eben schon immer völlig verrottet gewesen, schreiben die einen. Andere stellen einen Zusammenhang mit dem Abtreibungsverbot her: Es mache damals wie heute Frauen zu Mördern. Als der Chef der Polizei von Los Angeles, Chief Charlie Beck, jetzt vor die Mikrofone der Journalisten trat und sagte, er werde alles tun, um die Morde aufzuklären, lautete der Vorwurf: Die Polizei solle doch lieber aktuelle Morde aufklären als ein uraltes Verbrechen.

Janet M. Barrie

Ist die elegante Frau auf den Fotos die Mörderin - und war sie mit dem "Peter-Pan"-Autor verwandt? Janet M. Barrie war eine schottische Krankenschwester, die seit 1925 in den USA lebte.

(Foto: AP)

Was die Polizisten bislang herausfanden, das klingt nach einem Krimi aus dem alten Hollywood. Da ist die Eintrittskarte für die Abschlusszeremonie der Olympischen Sommerspiele von 1932, farbig gedruckt auf teurem Papier, auf der die Leichen lagen. Da sind die Fotos der jungen, mutmaßlichen Mörderin in teuren Kleidern: Janet M. Barrie, JMB. Die Bilder zeigen sie als elegante, junge Frau.

Über eine mögliche Verwandtschaft zu J. M. Barrie, dem schottischen Autor von Peter Pan, wird immer wieder spekuliert. Merkwürdig, dass sich ausgerechnet sein Bestseller ebenfalls hier fand. Neben persönlichen Briefen entdeckte man auch noch weitere Dinge wie einen Pelzkragen, ein Kleid, einen mit Perlen bestickten Geldbeutel, eine Zigarrenbox mit Heiligenbildchen, medizinische Formulare und Postkarten - und auf manchen Gegenständen stand der volle Name: Janet M. Barrie.

DNS-Tests angeordnet

Barrie, so fanden die Ermittler heraus, war eine schottische Krankenschwester, die 1940 in die USA immigrierte, aber bereits seit 1925 immer wieder in Los Angeles und Chicago gelebt hatte. Sie soll 1995 in Vancouver eines natürlichen Todes gestorben sein, ihre sterblichen Überreste finden sich allerdings auf einem Friedhof nahe Los Angeles - im Grab ihres Gatten George, den sie 1964 geheiratet hatte, und dessen erster Frau Mary.

Die Ermittler haben bei Familienmitgliedern in Kanada nun die Erlaubnis eingeholt, die beiden Babyleichen genau untersuchen zu lassen. Mit DNS-Tests will man prüfen, ob die Kinder miteinander verwandt waren.

Die Wahrheit in diesem Fall jedoch wird vermutlich nie ermittelt werden. Zunächst müssen die Bewohner der 15-Millionen-Einwohner-Stadt also mit einem Rätsel leben. Und mit der quälenden Frage, warum die glorreichen Versprechungen der Vergangenheit für viele von ihnen bis heute niemals wahr geworden sind.