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Los Angeles: Babyleichen entdeckt:Die große, düstere Vergangenheit

Zwei 70 Jahre lang versteckte Babyleichen stellen die Polizei von Los Angeles vor ein Rätsel. In der heruntergekommenen Villa wurden eine signierte Ausgabe des Kinderbuchs "Peter Pan" gefunden - und alte Fotos.

In einer der Truhen fanden die Frauen Überreste eines Fötus, eingewickelt in das Papier einer alten Zeitung. Hausmeisterin Gloria Gomez war schockiert. "Wir begraben das Kind" sagte sie zu ihrer Bekannten Yiming Xing. Die beiden Damen waren gerade dabei, Ordnung im Keller von Xings Haus zu schaffen. "Nein", sagte Xing. "Wir rufen die Polizei."

Charlie Beck, Fabian Lizarraga

Der Chef der Polizei von Los Angeles, Charlie Beck (links), soll ein Verbrechen aufklären, das Janet M. Barrie begangen haben könnte (unten rechts, zum Vergrößern bitte klicken).

(Foto: AP)

Die Beamten öffneten das zweite Bündel aus Zeitungspapier. Darin entdeckten sie ebenfalls ein totes Baby. Auf zahlreichen Gegenständen, die rund um die Bündel in den Truhen lagen, fand sich das Initial "JMB". Irgendwo lag auch eine signierte Ausgabe des Kinderbuches Peter Pan. Autor des Buches ist der Schotte James Matthew Barrie. Sein Kürzel lautet: JMB.

In Los Angeles ist der gewaltsame Tod irgendwelcher Menschen Alltag: Mann erschlägt Ehefrau, Kind erschießt Großeltern. So geht das Tag für Tag, durchschnittlich werden 40 bis 60 Menschen in der Stadt ermordet. Pro Monat. Aber mit den beiden Babys, die Mitte August gefunden wurden, ist alles anders. Sie lagen in einer von drei edlen Truhen, die im verwahrlosten Keller eines einst glamourösen Hauses im Bezirk Westlake standen, nur einen Steinwurf von Downtown entfernt.

Eine der beiden kleinen Leichen war in Zeitungspapier des Los Angeles Evening Herald eingewickelt. Hausmeisterin Gloria Gomez hatte von der Zeitung zuvor noch nie etwas gehört. Kein Wunder: Das Blatt wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr gedruckt. Die Ausgabe, in die das Baby eingewickelt war, stammte aus dem Jahr 1937. Das andere tote Kind war in einer Los Angeles Times von 1935 eingewickelt worden. Die Babys waren also schon seit mehr als 70 Jahren tot? Und wer hat sie getötet?

Grausige Erinnerung an eine glorreiche Zeit

Der plötzliche Fund erinnert die Bewohner der Stadt an die Geschichte ihrer Heimat, an das große, düstere Los Angeles der dreißiger Jahre, an die Romane von Raymond Chandler, die Große Depression, die ersten Tonfilme aus Hollywood und an das große Versprechen einer glorreichen Zukunft, die sich die Menschen damals hier noch erwarteten.

In diesen längst vergangenen Tagen war Westlake noch das Bel Air von Los Angeles, ein wunderschönes Viertel, mitten in der Innenstadt. Hier lebten die Reichen und die Schönen. Der Apartmentblock, in dem die Babys gefunden wurden, ist eines der ersten Penthouse-Gebäude der Westküste. Ein wundervoller Bau - heute ist er nur noch ein Fremdkörper in einem völlig kaputten Viertel.

In Westlake leben auf zweieinhalb Quadratkilometern knapp 40.000 Menschen. In den Straßen des Viertels gehen Latino-Gangs ihren kriminellen Geschäften nach. Jeden Monat erschießen sich hier Bandenmitglieder, manchmal sterben auch Unbeteiligte. Psychisch kranke, obdachlose Menschen in dicken Winterjacken eilen durch die Straßen. Bei 30 Grad im Schatten.