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London:Uber geschnappt

"Verpiss dich und stirb!" Londons Bürgermeister Boris Johnson ist normalerweise für geistreiche Zitate bekannt. Beim Radeln durch die Stadt hat er nun einen Taxifahrer angepöbelt - zufällig wurde der Ausraster von einem Passanten gefilmt.

Von Christian Zaschke, London

Boris Johnson ist der bekannteste Fahrradfahrer Londons. Er radelt in sein Büro an der Tower Bridge, wo er noch bis 2016 als Bürgermeister der britischen Hauptstadt residiert. Er radelt in sein Büro in Westminster, wo er seit den Wahlen im Mai zusätzlich als Parlaments-Abgeordneter sitzt. Er radelt immer und überallhin, und er trägt dabei stets einen leuchtend gelben Helm auf seinem leuchtend blonden Haar. In der Regel macht er dabei den Eindruck eines Mannes, der mal wieder prächtige Laune hat. Passanten grüßen ihn, Johnson grüßt zurück.

Dass er auch ganz anders kann, zeigte er jetzt in einem kurzen Handy-Film, den die Sun und die Daily Mail veröffentlicht haben. Zu sehen ist, wie Johnson kurz nach Mitternacht durch den Stadtteil Islington radelt, als ein Taxifahrer sich aus dem Fenster lehnt und ruft: "Du bist einer von denen, Typ. Das bist du. Einer von denen." Johnson hat Griechisch und Latein in Oxford studiert, er ist bekannt dafür, dass er seine Reden mit klassischen Zitaten würzt, die die meisten seiner Kollegen zu seiner großen Freude nicht verstehen. Für den Taxifahrer mochte Johnson jedoch nicht in den Tiefen seiner Bildung nach einem schönen Zitat kramen. Er sagte: "Warum verpisst du dich nicht und stirbst? Und zwar nicht in dieser Reihenfolge."

Ein Passant hatte die Szene mit seinem Telefon aufgenommen und das Filmchen an die beiden Boulevard-Blätter gegeben. Den meisten Politikern des Vereinigten Königreichs hätte ein Vorfall dieser Art einen enormen Image-Schaden zugefügt. An Johnson perlt so etwas ab. Sein Sprecher teilte gelassen mit: "Boris führt jede Woche Dutzende Gespräche mit Londonern. Viele sind produktiv und freundlich, manche sind farbenfroh, und ich weiß, dass die meisten glücklich enden."

Hintergrund der kurzen Auseinandersetzung könnte sein, dass die Londoner Taxifahrer nicht gut auf die Stadtverwaltung zu sprechen sind, weil diese ihrer Ansicht nach nicht genug tut, um die Konkurrenz durch private Taxis der Firma Uber einzudämmen. Während die Fahrer der traditionellen "Black Cabs" vier Jahre lang das komplette Straßennetz der Stadt lernen müssen, haben die Uber-Fahrer keine Ausbildung, nutzen Navigationsgeräte und sind billiger. Nach Angaben der Taxi-Gewerkschaft hätten deshalb in den vergangenen Monaten mehrere hundert Taxifahrer ihren Job aufgeben müssen.

© SZ vom 19.06.2015
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