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Loch in der A20:In der Gemeinda fand man die Autobahn prinzipiell gut

Der Abschnitt bei Tribsees wurde 2005 als einer der letzten fertig. In den umliegenden Dörfern, die seit 2004 den Gemeindeverbund Lindholz bilden, fand man die Autobahn prinzipiell gut. Allerdings kannten die Menschen auch den Moorboden im Trebeltal. Früher wurde hier Torf gestochen - jetzt sollten im Schlamm die Betonpfeiler der Autobahn wachsen? "Wir haben uns damals schon gefragt, ob das hält, aber die haben gesagt, sie hätten das berechnet", sagt Jörg Stoll, heute Rentner, früher selbst im Straßenbau tätig, "jetzt wissen sie, woran sie gespart haben. Wenn sie gleich eine vernünftige Brücke drübergebaut hätten, hätten sie das Loch nicht."

Stoll steht im leeren Gastraum der Raststätte Buchholz bei Wirtin Marion Buchholz. Vor der Tür kann man die Folgen des Lochs erleben. Der Verkehr, der sonst über die A 20 gen Osten glitt, muss vorerst über die enge Hauptstraße von Langsdorf. Es ist ein ruhiger Tag, trotzdem bricht der Strom der Autos kaum ab, ständig donnern Lastwägen an den Häusern vorbei. "Es ist eigentlich unerträglich", sagt Marion Buchholz, "aber was sollen wir machen?" Sie ist eine schmale ältere Frau, die im Grunde immer zufrieden war. Seit 20 Jahren betreibt sie die Gaststätte. "Es lief vernünftig" - auch wegen der Autobahn.

Eine Brücke über das Loch zu setzen, scheitert am Untergrund

Aber jetzt ist die Idylle dahin. "Meine Stammkunden bleiben weg", sagt Marion Buchholz. Und die anderen kommen auch nicht mehr so zahlreich wie bisher. Wer hier vorbeifährt, möchte das Nadelöhr schnell hinter sich lassen. Ortskundige Kraftfahrer wählen andere Routen. Ihre drei Gästezimmer kann sie guten Gewissens nicht mehr vermieten, weil das Risiko zu groß ist, dass dröhnende Schwertransporter die Nachtruhe stören. Und die Begehrlichkeiten der Behörden haben sie Nerven gekostet. Ein früherer Plan sah vor, dass die Umleitung über ihr Grundstück nur wenige Meter an der Terrasse der Raststätte vorbeiführt, die entsprechende Ankündigung im Schaukasten der Gemeinde war ihr entgangen: "Eines Tages stand der Vermesser in der Tür." Die Einspruchsfrist war noch nicht abgelaufen, Marion Buchholz hatte Glück. Aber die Belastung mit Lärm und Abgasen wird vorerst nicht besser - und der Sommer kommt ja erst noch, wenn Erholungssuchende in Massen ans Meer oder auf die Inseln wollen.

"Der Verkehr muss raus aus dem Ort", sagt Marion Buchholz. Eine Brücke über das Loch zu setzen, scheitert am Untergrund, das erklärt das Infrastrukturministerium des SPD-Ressortchefs Christian Pegel. Jetzt hoffen Marion Buchholz und die anderen Anrainer auf die nächste Variante: die Umleitung dorthin zu verlegen, wo zu Zeiten der A-20-Entstehung die alte Baustraße verlief. 13 von 14 Privatgrundbesitzer haben dafür Flächen verkauft oder verpachtet, auch Marion Buchholz. Aber eine schnelle Lösung ist auch das nicht. "Die ehemalige Baustraße liegt im Naturschutzgebiet, das erschwert die Planungen. "Zudem sind die Vorgaben des Vergaberechtes und nicht zuletzt auch Kostenaspekte zu berücksichtigen", erklärt das Ministerium.

Es bricht mehr zusammen als nur eine Straße, wenn eine Autobahn wegsackt. Die Landespolitik steht trotzdem unverbrüchlich zur deutschen Autobahn im Allgemeinen und zur A 20 im Besonderen. "Ist die A 20 eine Pannenautobahn?", fragt sich das Schweriner Infrastrukturministerium selbst auf seiner Homepage und antwortet: "Nein. (...) Die Autobahn ist über die Jahre gut nutzbar gewesen und in einem guten Zustand." Nur jetzt eben nicht mehr.

© SZ vom 16.02.2018/csi
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