SeilbahnunglückEltern finden totgeglaubten Sohn in Lissabon lebend

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Bei dem Seilbahnunglück am Mittwoch in Lissabon gab es mehrere Tote. Die Identität von einigen ist nach wie vor unklar.
Bei dem Seilbahnunglück am Mittwoch in Lissabon gab es mehrere Tote. Die Identität von einigen ist nach wie vor unklar. Armando Franca/AP

Das Paar aus Deutschland sollte einen Toten identifizieren. Sie erkennen aber stattdessen ihren lebenden Sohn auf Bildern aus einem Krankenhaus.

Sie kamen, um die Leiche ihres totgeglaubten Sohnes zu identifizieren, und fanden ihn stattdessen unter den Lebenden: Die Eltern eines bei dem Seilbahnunglück in Lissabon verletzten Mannes haben ihren Sohn auf Fotos aus einem Krankenhaus erkannt, wie eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Eine der berühmtesten Touristenattraktionen Lissabons war am Mittwoch binnen Sekunden zu einer Todesfalle geworden: Ein Wagen der historischen Standseilbahn Elevador da Glória raste ungebremst eine steile Straße hinab, entgleiste, kippte um und krachte gegen ein Gebäude.

Nicht nur portugiesische Zeitungen wie Observador und Correio da Manhã schrieben am Donnerstag, unter den 16 Toten sei auch ein Deutscher. Dessen Frau sei schwer, das gemeinsame dreijährige Kind leicht verletzt worden. Auch der Chef der portugiesischen Kriminalpolizei, Luís Neves, teilte mit, dass „wahrscheinlich“ ein Deutscher unter den Toten sei.

Die aus Deutschland angereisten Angehörigen des totgeglaubten Mannes seien zunächst gebeten worden, einen Toten zu identifizieren, den die Polizei für einen Deutschen gehalten habe, sagte die Sprecherin. Als die Eltern angaben, dass der Mann nicht ihr Sohn sei, sei ein DNA-Test gemacht worden, der das bestätigt habe.

Daraufhin seien den Eltern Fotos verletzter und bisher nicht identifizierter Opfer des Unglücks in den verschiedenen Krankenhäusern der Stadt gezeigt worden. Auf einem hätten die Eltern dann ihren Sohn erkannt. Der Mann, selbst Vater, habe im Krankenhaus San José gelegen, sei aber nicht ansprechbar gewesen. Auch die Frau des Mannes sei schwer und deren Kind leicht verletzt worden, sagte die Sprecherin.

Das Auswärtige Amt teilte am Freitag mit, man gehe derzeit nicht davon aus, dass es bei dem Seilbahnunglück ein deutsches Todesopfer gegeben habe. „Nach Kenntnis des Auswärtigen Amts befinden sich nach aktuellem Stand keine deutschen Staatsangehörigen unter den Todesopfern“, hieß es aus dem Außenministerium in Berlin. Mehrere deutsche Staatsangehörige seien von dem Unglück allerdings betroffen, ergänzte ein Sprecher.

Die 16 Toten sind inzwischen alle identifiziert. Es handelt sich um fünf Portugiesen, drei Briten, zwei Kanadier, zwei Südkoreaner und je ein Opfer aus der Schweiz, der Ukraine, Frankreich und den USA, wie die portugiesische Kriminalpolizei mitteilte.

Derweil läuft die Suche nach den Ursachen und Antworten auf die Frage, ob die Standseilbahn ausreichend gewartet wurde, auf Hochtouren. Bis gesicherte Erkenntnisse vorliegen, werde es aber einige Zeit dauern, sagte Polizeichef Neves. Der zerstörte Wagen sowie ein weiterer, unbeschädigter Waggon wurden laut portugiesischen Medien inzwischen abtransportiert. Einen solchen Unfall mit einer der drei Standseilbahnen, die seit dem 19. Jahrhundert betrieben werden, hatte es in Lissabon bisher nicht gegeben.

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Lissabon
:Binnen Sekunden eine Todesfalle

Der abstürzende Waggon der beliebten Lissabonner Touristenattraktion „Elevador da Glória“ zerschellt an einer Hauswand. Unter den Opfern ist auch eine deutsche Familie.

SZ PlusVon Patrick Illinger

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