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Neue Folge der Serie "Ein Anruf bei":"Ich bin so bekannt, da brauche ich keinen Wahlkampf zu machen"

100-jährige Lisel Heise kandidiert für Stadtrat

Lisel Heise hat mit drei Jahren im Freibad von Kirchheimbolanden das Schwimmen gelernt.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Lisel Heise ist 100 Jahre alt und will jetzt nochmal in die Politik gehen. An diesem Sonntag tritt sie an, in einer Kleinstadt in Rheinland-Pfalz. Ihr Vorbild. Helmut Schmidt. Ihr Ziel: Die Wiedereröffnung des Freibads.

Lisel Heise ist 100 Jahre alt und will Stadträtin werden. Ihr einziges Wahlkampfthema: Die Wiedereröffnung des 2011 geschlossenen Freibads in ihrem Wohnort Kirchheimbolanden in Rheinland-Pfalz. Heise tritt an diesem Sonntag für die freie Wählerinitiative "Wir für KiBo" an.

SZ: Frau Heise, mit gerade mal 100 Jahren starten Sie Ihre politische Karriere. Ist das Leben als 100-Jährige so langweilig?

Lisel Heise: Ach was, mein Leben war nie langweilig. Aber bei solchen Fehlzündungen in der Politik, da muss man doch was tun. Ich meine, ich könnte auch daheim sitzen und nichts machen, aber das ist zu wichtig, überall in der Bundesrepublik werden Schwimmbäder geschlossen.

Sie kämpfen für die Wiedereröffnung des Freibades Thielwoog .

Das bestand seit Anfang der 20er. Dort habe ich als Dreijährige schwimmen gelernt.

Wo gehen Sie jetzt zum Schwimmen hin?

Da müsste ich ja nach Eisenberg oder sonst wohin fahren. Das sind 15 Kilometer, das kostet Zeit und Geld. Schwimmen ist ja an und für sich ein billiger Sport. Und was machen die? Schließen die Bäder und bauen Fußballplätze. Und als Ersatz haben sie in einem Sumpfgebiet ein Hallenbad gebaut.

Ach, dann gibt es ja doch ein neues Bad?

Ja, ein Quatsch. Ich war schon ein paar Mal dort, aber die Wasserqualität ist schlecht.

Sie klingen recht fit und fidel. Wie schaffen Sie das, in Ihrem Alter?

Das ist der Erfolg meiner spartanischen, humanistischen Erziehung. Heutzutage geht die ja flöten.

Wieso flöten?

Die Kinder werden nicht mehr körperlich gefordert. Die alten humanistischen Werte werden denen nicht mehr beigebracht. Die lernen nur noch, wie man Geld macht. Es ist ein Trauerspiel: Man ist vom Humanismus auf den Kapitalismus umgestiegen.

Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Unbedingt Helmut Schmidt. Und Friedrich der Große, in der Politik der letzte Humanist Europas.

Was sagen eigentlich Ihre Urenkel dazu, dass ihre Uroma in den Stadtrat will?

Das ist denen wurscht. Die Älteste ist acht, der Jüngste eins, die wollen nur spielen.

Was planen Sie im Wahlkampf noch?

Mein Liebes, ich bin so bekannt, da brauch ich keinen Wahlkampf zu machen.

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