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Limburg nach Tebartz:Das Monetäre wird sich regeln lassen

Längst geht es nicht mehr hauptsächlich um die Millionen, die am Limburger Domplatz verbaut wurden. Die monetären Dinge werden sich regeln lassen. Die Kirche aber steckt in einer veritablen Vertrauenskrise. Wie viele Katholiken ihrer Kirche allein wegen des eigentümlichen Bischofs den Rücken gekehrt haben, weiß man nicht. Aber es dürften Tausende sein, nicht nur in Limburg. Die wird man sicher nicht zurückgewinnen können. Professor Schüller spricht von einem "Desaster mit Langzeitwirkung".

So etwas regelt man doch intern

Kritiker wie er, Pfarrer Janssen, der Frankfurter Stadtdekan Johannes von Eltz und einige andere, die das System Tebartz unerträglich fanden und schließlich auch öffentlich seinen Rücktritt forderten, haben selbst verstörende, auch schmerzende Erfahrungen mit ihrer Kirche gemacht. Man warf ihnen Nestbeschmutzung vor, Kirchenhass, Geltungssucht. Selbst diejenigen, die Zweifel am einstigen Bischof hegten, sagten: "Ihr habt ja recht. Aber das regelt man intern." Genau darin spiegele sich ein Problem der Kirche, das weit über Limburg hinaus gehe, sagt Janssen. "Wir müssen endlich die Barriere der Angst, der Geheimniskrämerei und der Drohungen durchbrechen." Man sei dabei, heißt es im Bistum. Immerhin seien inzwischen wieder Gespräche zwischen Mitgliedern den zerstrittenen Fraktionen möglich.

Bischofshaus Limburg - Mariengarten

Der private Mariengarten des Bistums Limburg wurde für etwa 790.000 Euro umgestaltet und war als Privatgarten für den früheren Limburger Bischof Tebartz-van Elst geplant.

(Foto: dpa)

Und dann gibt es noch ein Problem. Die Kirche muss sich Gedanken machen über die Besetzung ihrer Top-Jobs. Franz-Peter Tebartz-van Elst war augenscheinlich eine Fehlbesetzung, weder hierzulande noch im Vatikan fiel auf, dass dieser Mann für den Bischofsposten nicht wirklich geeignet gewesen sein konnte.

Bischof von Limburg - alles andere als ein Traumberuf

Politik und Wirtschaft haben schon viele Male erfahren müssen, welche fatalen Verwerfungen eine falsche Entscheidung beim Spitzenpersonal nach sich ziehen kann. Aber stärker als Politik und Wirtschaft sind die Kirchen auf das Vertrauen der Menschen angewiesen, schließlich fußt die gesamte Institution auf Glaubenssachen. Und wenn die Kirchenmitglieder den Glauben an ihren Bischof verlieren, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Die Reihe derer, die Tebartz gern nachfolgen würden, dürfte nicht lang sein. Bischof von Limburg ist alles andere als eine Traumberufung. Manche mutmaßen, schlussendlich werde man einen wackeren, erfahrenen Geistlichen überreden müssen, nach Hessen umzuziehen.

Der Theologe Schüller analysiert die Lage kühl: "Wir haben nicht nur Priestermangel, wir haben auch einen Bischofsmangel." Es werde immer schwieriger, Kandidaten für diese Posten zu finden, die anspruchsvollsten, die die Kirche zu vergeben habe.

Das Jobprofil? Schüller listet auf: "Der Mann muss geistig gefestigt sein, schwer zu erschüttern, Führungskraft haben, große Personalerfahrung, Seelsorger sein, vertrauensvoll, authentisch und wahrhaftig." An der Lahn erwartet den Neuen außerdem noch Versöhnungsarbeit der ganz besonderen Art. Herkules-Arbeit also. Schüller sagt: "Man überlegt sich gut, ob man sich ein solches Amt überhaupt antun möchte."

Residenz in Regensburg

Die Pressemitteilung kam Anfang August und war kurz und bündig: "In den ersten Septemberwochen wird der emeritierte Bischof von Limburg, Dr. Franz Peter Tebartz-van Elst, nach Regensburg ziehen. Die Wohnung hat 4 Zimmer und 180 qm. Sie liegt im 4. Stock (Dachgeschoss) eines renovierten Hauses und hat eine normale Ausstattung. Der Mietpreis orientiert sich an der ortsüblichen Miete", teilte die Sprecherin des früheren Bischofs mit.

Der Mietvertrag sei von einem Bruder unterschrieben worden. Vergleichbare Wohnungen kosteten in Regensburg zwischen 1500 und 2000 Euro Warmmiete, hieß es. Tebartz-van Elst beziehe derzeit ein Ruhestandsgehalt von 5600 Euro brutto. "Das in Privatbesitz befindliche Haus und das dahinter liegende Grundstück sind großzügig gestaltet. Die Wohnungen umfassen jeweils das komplette Stockwerk und bieten den meisten Bewohnern zwei Balkone - einen zur Straße, einen zu einem begrünten Hinterhof, der von zwei Neubauten umrahmt wird, und in dem der Straßenlärm kaum auffällt", wusste die Mittelbayerische Zeitung zu berichten. Offenbar möchte sich der 55-jährige Theologe hin und wieder die Wohnung mit seiner Schwester teilen. Dies erklärt zum Teil auch die Größe der Wohnung. SZ