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Rapper Lil Wayne:Der Win-win-Gewinner

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Dwayne Michael Carter junior alias Lil Wayne ist mit einer goldenen Knarre erwischt worden. Donald Trump hat ihn begnadigt. So what?

(Foto: Frazer Harrison/AFP)

Der Rapper Lil Wayne hat Wahlwerbung für Donald Trump gemacht und wurde an dessen letztem Amtstag begnadigt. Warum regt sich darüber eigentlich kaum jemand auf?

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Dwayne Michael Carter junior ist gerade so richtig gut drauf. Am Wochenende feierte er - ohne Maske, dafür mit viel Körperkontakt - im VIP-Bereich eines Nachtclubs in Miami. Warum auch nicht? Es gibt für ihn genügend Gründe, die Sau rauszulassen: Der Rapper, besser bekannt unter dem Künstlernamen Lil Wayne, hat zuerst die Hommage "Green & Yellow" an seinen Lieblingsfootballverein, die Green Bay Packers, neu getextet, das Lied "Ain't Got Time" veröffentlicht und im Musikvideo des Rapperkollegen Tory Lanez aus Kanada mitgespielt; es ist unter anderem zu sehen, wie er im pinken Kapuzenpulli vor einer nackten Frau steht. Am Mittwoch brachte sein Cannabis-Unternehmen "GKUA Ultra Premium" die ersten Produkte auf den Markt.

Solche Wochen gibt es im Leben von Promis bisweilen, doch all die Extravaganzen waren gar nicht mal der Höhepunkt: Carter ist am Dienstag vergangener Woche, dem letzten Arbeitstag von Donald Trump als US-Präsident, begnadigt worden. Eigentlich hätte er mit bis zu zehn Jahre Haft rechnen müssen, weil Bundesagenten im Dezember 2019 eine vergoldete Pistole und Munition in seinem Privatjet gefunden hatten, dazu Drogen wie Kokain und Heroin. Der Prozess hätte im Februar beginnen sollen. Die Knarre war für ihn dabei das größere Problem, weil in den USA ein wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilter Straftäter nicht mit Milde rechnen darf, eigentlich.

Wie das funktionierte? Nun, es war ein klassisches Quidproquo, ein Gegenleistungsgeschäft also. Trump hasst diesen Begriff in etwa so wie den Ausgang der Präsidentschaftswahl, war er doch genau wegen eines solchen in Schwierigkeiten. Zur Erinnerung: Das erste Impeachment gegen ihn hatte es gegeben, weil Trump Auszahlungen von Militärhilfen an die Ukraine davon abhängig gemacht haben soll, ob das Land ihm Material für eine Schmutzkampagne gegen seinen damals noch möglichen Gegenkandidaten Joe Biden liefern würde. Trump bestritt das, er plärrte täglich auf Twitter: "No quid pro quo!" Vor diesem Hintergrund hat das, was sich rund um die Präsidentschaftswahl zwischen Trump und dem Rapper abgespielt hat, also mindestens ein Geschmäckle.

Fünf Tage vor der Wahl twitterte Carter ein Foto von sich und Trump, wie sie vor drei Amerika-Flaggen jeweils lächelnd einen Daumen in die Luft recken. Der Rapper schreibt dazu: "Hatte gerade ein tolles Treffen mit Präsident Trump. Neben dem, was er bislang für die Strafrechtsreform getan hat, ist der Platin-Plan, der Community mehr Einfluss zu geben. Er hat zugehört und mir versichert, dass er das hinbekommt."

Seine Jugend: Waffen, Gewalt, Drogen

Das kann man als Wahlempfehlung interpretieren, der Einfluss von Carter auf junge Afroamerikaner ist nicht nur wegen seiner Musik immens, sondern auch wegen der von ihm gegründeten Stiftung "One Family Foundation", die benachteiligten Kindern einen Schulabschluss ermöglichen soll. Er hat also Trump kurz vor der Wahl gelobt, kurz darauf ist er begnadigt worden.

Die Aufregung darüber hält sich in Grenzen, und das hat viel damit zu tun, wer dieser Dwayne Michael Carter junior ist. Carter kam 1982 in der gefährlichen Gegend Hollygrove in New Orleans zur Welt, sein Vater verließ die Familie, als Carter zwei Jahre alt war. Mit zwölf Jahren versuchte er, sich mit einer Pistole das Leben zu nehmen, weil ihm die Mutter die Rap-Flausen austreiben wollte. Es war dem schnellen Eingreifen eines Polizisten zu verdanken, dass er überlebte. Als er 14 Jahre alt war, wurde Stiefvater Rabbit McDonald aus einem Nachtclub entführt und erschossen.

Das Überleben auf den Straßen und Waffen - das sind die Themen, die Carter quasi seit seiner Geburt begleiten, und beide verarbeitet er in seiner Kunst. Im Song "So Many Guns, Ima Shoot One" rappt er etwa, frei übersetzt: "Ich bin ein Gangster, ich besitze zwei Knarren. Wenn's also abgeht, dann ballere ich mit der einen, und wenn es richtig abgeht, ballere ich mit beiden. Ich knalle jeden ab und dann dich."

Carter wurde kurz nach seinem 17. Geburtstag berühmt mit dem Album "Tha Block Is Hot", er war da aber auch schon berüchtigt dafür, verbotenen Genussmitteln nicht abgeneigt zu sein. 2007 wurden in seinem Tourbus eine Waffe (die seinem Manager gehörte) und Drogen gefunden, nur ein paar Monate später erwischten ihn Grenzbeamte in Texas mit Unmengen an Marihuana, Kokain und Ecstasy - und einer Waffe. Er musste acht Monate lang ins Gefängnis, über diese Zeit schrieb er das Buch "Gone 'Til November", in dem er unter anderem schilderte, wie er sich dort hatte umbringen wollen.

"Delikte ohne Gewalt werden viel zu hart bestraft"

Wer im vergangenen Sommer bei den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt zugehört hat, der dürfte mitbekommen haben, dass es dabei auch um eine Reform des Strafrechts ging. Illegaler Waffenbesitz und Drogen sind keine Kavaliersdelikte, im Zentrum der Debatten steht jedoch das Verhältnis von Schuld und Strafe, und Carter war eine Symbolfigur: Sollte einer wirklich für zehn Jahre hinter Gitter, weil 2008 eine Waffe im Tourbus und elf Jahre später eine in seinem Privatjet gefunden worden ist? Im Song "Ain't Got Time", den er einen Tag nach der Begnadigung veröffentlichte, rappt er: "Das FBI ist heiß auf uns, die haben meinen Privatjet überfallen."

Rapper-Kollege Charlamagne Tha God schlägt sich auf Carters Seite, "er hat niemandem geschadet und niemanden verpfiffen, gerade Delikte ohne Gewalt werden viel zu hart bestraft", sagte er in seinem Podcast "The Brilliant Idiots". Und er kann auch nichts Schlimmes daran finden, dass Carter Wahlwerbung für Trump gemacht hat. "Er hat einen Politiker, mit dessen Politik er nicht einverstanden ist, dazu gebracht, ihn zu begnadigen. Es hätten zehn Jahre Knast gedroht." Man solle sich eher fragen, was man selbst getan hätte? Begnadigung für ein gemeinsames Foto, mit dem man zudem für ein persönliches Anliegen, die Reform des Strafrechts, werben darf? Charlamagne sagt dazu: "Ich sehe nicht, wie man darauf sauer sein könnte."

Carter selbst hat sich in einer Twitter-Botschaft bei Trump bedankt, nicht für die Begnadigung, sondern "dafür, dass er erkannt hat, dass ich meiner Familie, meiner Kunst und der Gemeinschaft noch viel mehr zu geben habe". Man sollte nicht vergessen, dass Carter neben der Karriere an der University of Phoenix Psychologie studiert hat und ein Meister im Worteschmieden ist. Im Song "Ain't Got Time", heißt es: "Ich kann nicht in den Knast, dafür habe ich keine Zeit. Ich war gestern high wie die Sau - verdammt, wie die Zeit vergeht."

Die Zeit von Trump als Präsident ist vorbei, die des Entertainers und Geschäftsmanns Lil Wayne geht weiter, als wäre nichts gewesen.

© SZ/nas
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