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Liechtenstein:Bankenkritiker erschießt Banker

Er lauerte ihm morgens in der Tiefgarage auf: Ein Bankenkritiker hat Jürgen Frick, den Verwaltungspräsidenten der Bank Frick, ermordet. Nun ist der Schütze auf der Flucht.

Kaum etwas ist beschaulicher, biederer, ja bukolischer als das Fürstentum Liechtenstein. Und kaum etwas lag überall in Europa schon länger und bedrohlicher in der Luft als eine aufgestaute Aggression gegen Banker und ihre fragwürdigen, ja kriminellen Machenschaften. In London etwa weiß man von manchen Managern, die sich sicherheitshalber Pistolen zugelegt haben - falls eines Tages der Mob durch die Türen stürmen sollte.

Doch kaum jemand hätte erwartet, dass sich diese Spannung ausgerechnet in Liechtenstein entladen würde. In Balzers, der viertgrößten Gemeinde des zwischen der Schweiz und Österreich eingeklemmten Fürstentums hat ein landesweit bekannter Bankenkritiker einen Banker erschossen - aus Rache und aus Zorn, wie der selbsternannte Robin Hood in einem Schreiben mitteilte.

Der Mord geschah kurz nach sieben Uhr morgens in der Tiefgarage der Bank Frick. Der Schütze, der aufgrund von Videoaufnahmen als Jürgen Hermann identifiziert werden konnte, lauerte dem 48-jährigen Verwaltungsratspräsidenten des Geldinstitutes, Jürgen Frick, auf und erschoss ihn. Anschließend flüchtete er. Bis zum Montagabend konnte er noch nicht ergriffen werden. Die Polizei stellte lediglich sein Fluchtfahrzeug sicher - einen unscheinbaren weiß-grauen Smart. Anschließend flüchtete der bewaffnete Täter wohl zu Fuß weiter.

Frick gehörte zu den führenden Familien des Landes

Frick war nicht irgendein Banker. Als Bruder eines ehemaligen Regierungschefs gehörte er zu den führenden Familien des Landes. Zum Schicksal wurde ihm, dass Hermann bei seiner Familienbank ein Depot unterhielt. Der mutmaßliche Todes-schütze führte seit Jahren einen Krieg gegen die Bank und das Fürstentum, denen er die Schuld an seinem finanziellen Ruin als Fondsmanager gab.

Im Land war Hermann bekannt wie ein bunter Hund. Doch niemand hätte ihm zu-getraut, dass er zur Waffe greifen würde. Immer wieder hatte er in Inseraten und auf seiner Webseite gegen das "Fürstendumm Scheißenstein" polemisiert. Noch am letzten Freitag verschickte er an die liechtensteinischen Medien ein vierseitiges Pamphlet, in dem er das Fürstentum als "Verbrecherstaat" titulierte. In dem Brief zitierte er Bertolt Brecht: "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht". Er sei vom Staat vorsätzlich ruiniert und in seiner Existenz vernichtet worden. Unterschrieben ist das Schreiben mit "Dipl. Ing. Jürgen Hermann, alias Robin Hood von Liechtenstein". Hermann ist nach eigenen Angaben Elektroingenieur, Unternehmer, Erfinder und Technologieinvestor.

Schütze forderte 33 Millionen Franken

In einem bereits vor fünf Jahren geführten Gespräch sagte Jürgen Hermann, dass er das Land auf 200 Millionen Franken Schadenersatz verklagt habe und von der Bank Frick 33 Millionen Franken fordere. Die Bank habe sich an ihm bereichert. Weil deren Verwaltungsräte von einem Tag auf den anderen aus der Firma ausgetreten seien, habe man ihn gleichsam enteignet.

"Das war eine Vendetta dieser liechtensteinischen Finanzmafia, mit der sich auch Herr Steinbrück anlegt", schrieb Hermann unter Verweis auf den früheren deutschen Finanzminister und dessen Äußerungen über Finanzplätze wie jenen in Liechtenstein. "Diesem Land muss man nicht nur die Daumenschrauben anlegen und mit der Peitsche und der Kavallerie kommen. Da würde ich noch ganz andere Maßnahmen ergreifen."

Die Liechtensteiner Landespolizei hat inzwischen ein großes Gebiet umstellt und sucht es mit einem Großaufgebot an Beamten, Suchhunden sowie Helikoptern nach dem Tatverdächtigen ab. Außerdem wurden die Regierungs- und Justizgebäude in Vaduz sowie die Zentrale der Bank Frick abgeriegelt und unter Polizeischutz gestellt. Es wird befürchtet, dass der Schütze nach weiteren Opfern sucht.

Dennoch ist es Hermann nach der Tat gelungen, seine Webseite zu aktualisieren. Neuester Eintrag: "Catch me if you can - dead or alive - reward 200 000 000 CHF". Fangt mich, wenn ihr es schafft, tot oder lebendig, Belohnung 200 Millionen Franken.