Auktion:"Mein geliebter kleiner Schatz"

Edward VIII. während einer Rundfunkansprache, 1936

König Edward VIII. während einer Rundfunkansprache an sämtliche Untertanen des britischen Weltreichs im Jahre 1936.

(Foto: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo)

Edward VIII. war ein Mann, der sich mit dem Lieben auskannte. Nun wird ein Liebesbrief von ihm versteigert.

Von Veronika Wulf

Die Liebe spielte im Leben von Edward VIII. eine große Rolle, das kann man durchaus sagen. Der einstige britische König hat immerhin nach nicht mal einem Jahr als Monarch wieder abgedankt - wegen einer Frau. Doch sie war bei Weitem nicht die einzige in seinem Leben, mit diversen Damen hatte er ein Verhältnis, viele davon verheiratet.

Edward VIII. soll allein einer Mätresse Hunderte Liebesbriefe geschrieben haben. Wenn sich also jemand auskennt mit Süßholzraspeln, dann wohl er. Einer dieser Briefe wird nun in Cambridge versteigert. Darin schreibt der 25-jährige Prince of Wales 1919 auf Reise an Bord eines Schiffes in Kanada: "Fredie Liebling, mein geliebter kleiner Schatz." Die Zeilen sind gerichtet an Freda Dudley Ward, eine britische - natürlich verheiratete - Lady, mit der er 16 Jahre eine Affäre pflegte. Die Romanze war ein offenes Geheimnis, wenngleich Edwards Vater, König George V., eher not amused darüber war.

"Ich liebe dich, liebe dich, mein ganz eigener gesegneter kleiner Fredie Liebling & ich finde das Leben ohne dich sehr hart & verdrießlich...", schreibt Edward. Es handelt sich hier also eher um ein Zeitdokument als um den großen literarischen Wurf. Das Auktionshaus Cheffins hat den vierseitigen Brief mit einer bescheidenen Schätzung von 400 bis 600 Pfund angesetzt.

Dafür hätte man nicht mal ein Eselsohr eines Liebesbriefs von Napoleon bekommen. Drei seiner Schreiben an seine Frau Josephine wurden 2019 in Paris für insgesamt mehr als eine halbe Million Euro versteigert. "Kein Brief von dir, meine reizende Freundin", schrieb Bonaparte, "du hast also liebliche Beschäftigungen, denn du vergisst deinen Ehemann, der inmitten aller Angelegenheiten und äußerster Müdigkeit nur an dich denkt, nur dich begehrt."

Aber nicht nur Monarchen übten sich in großen Worten, auch Bertolt Brecht schrieb einst an seine Geliebte Paula Banholzer: "Angebetete! Erlaube Deiner Majestät unterthänigster Kreatur, Dir seine ehrfurchtsvollsten Unterwürfigkeiten vor die zarten Füßchen zu legen." Heute würde man wohl einen Therapeuten empfehlen. Auch über die Anrede "Liebstes, bestes Weibchen", die Mozart in einem Brief an seine Gattin Constanze verwendete, dürften sich inzwischen die wenigsten Frauen freuen.

In diesem Jahr ist außerdem der Briefwechsel zwischen Antoine de Saint-Exupéry und seiner Frau Consuelo erschienen, die Korrespondenzen zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann wurden neu aufgelegt, ebenso zwischen Albert Camus und Maria Casarès. Liebesbriefe werden in Theatern vorgelesen, auf der Bühne inszeniert. Die Bundesregierung steckt eine halbe Million Euro in ein Forschungsprojekt, das das Liebesbriefarchiv der Uni Koblenz digitalisieren und öffentlich zugänglich machen soll. Aber werden Liebesbriefe auch noch geschrieben? Oder nur noch in Whatsapp zu Herz-Emojis geschrumpft?

"Der Liebesbrief ist nicht tot", sagt Eva Wyss, Linguistin und Gründerin des Liebesbriefarchivs. Er werde nur nicht mehr im Alltag genutzt, sondern zu großen Anlässen. "Es ist dann etwas ganz Spezielles, wenn ein Liebesbrief auf Papier geschrieben wird." Und weniger wollte der Liebesbrief ja auch in Zeiten von Edward VIII. nie sein.

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