SZ-Kolumne "Bester Dinge":I like to move it

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(Foto: imago stock&people)

Lemurenaffen haben Rhythmus im Blut, haben Forscher herausgefunden. Sie können sogar drei verschiedenen Tempi unterscheiden. So ein gemeinsamer Lemuren-Takt würde auch uns Menschen guttun.

Von Fabian Thomas

Manchmal sagen Filme Dinge voraus, die wahr werden. Als 2005 der Animations-Film "Madagascar" erschien, liebten die Zuschauer besonders die Szene, in der Lemuraffe King Julien auf einem Ast steht, das Lied "I like to move it" von Reel 2 Real singt und dabei durch besonders exzessive Tanzbewegungen auffällt.

Wie es der Zufall will, fanden Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik nun heraus, dass die Indri-Lemuren, die wie alle Lemuren auf Madagaskar beheimatet sind, tatsächlich Rhythmusgefühl besitzen. In den Gesängen der Indris (klingen wie das Quietschen eines Luftballons, aus dem man langsam die Luft herauslässt) identifizierten die Forscher drei Arten von Rhythmus. Einen 1:1-Rhythmus (Zeitintervalle zwischen den Tönen gleich lang), einen 1:2 Rhythmus (zweites Zeitintervall doppelt so lang) und einen "Ritardando"-Rhythmus, bei dem das Tempo stetig abnimmt. Eine kleine Sensation: Außer dem Menschen konnte noch keiner Säugetierart nachgewiesen werden, dass sie verschiedene Rhythmen unterscheiden kann.

Die Forscher spekulieren nun, ob sich unser Rhythmusgefühl möglicherweise schon vor Millionen von Jahren zu entwickeln begann. Damals, als Menschen und Indris noch gemeinsame Vorfahren hatten. Schade nur, dass Menschen mittlerweile deutlich mehr als drei Rhythmen unterscheiden. Wie schön wäre eine Welt, die noch immer im Gleichtakt schwingen würde - zumindest emotional. Wenn Opa an Silvester bedingt von zu vielen Schnäpsen aus dem Takt gerät, würde man zwar unterschiedliche Rhythmen klatschen, doch im Herzen bliebe man im Gleichklang - ein Gefühl von Fremdscham käme erst gar nicht auf. Der jüngst zum Jugendwort des Jahres erkorene Begriff "cringe" könnte gleich wieder in der Mottenkiste verschwinden.

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