Amerikas Krieg gegen die Drogen hat in den Siebzigerjahren unter Präsident Richard Nixon begonnen. Mit drastischen Strafgesetzen und Polizeimethoden versuchten die USA seitdem, den Konsum einzudämmen. Das ist gescheitert: In keinem anderen Land verbrauchen die Menschen heute so viel Cannabis und Kokain. Gleichzeitig sitzen Hunderttausende wegen läppischer Drogendelikte im Gefängnis. Der Kampf zwischen Fahndern und Kartellen hat ganze Landstriche Mittelamerikas verwüstet.
Im US-Staat Colorado beginnen die Menschen jetzt ein neues Experiment: In Fachgeschäften können sie legal Cannabis kaufen. Die örtliche Regierung behandelt Kiffer künftig wie Alkoholtrinker: Sie verbietet nicht, sondern regelt das Geschäft und verdient nebenbei mit. Noch ist unklar, wie der Versuch ausgeht. Wird Cannabis jetzt in Massen in die Nachbarstaaten geschmuggelt? Gelangt es leichter in die Hände von Jugendlichen? Wächst die Zahl der Süchtigen?
Die politische Stimmung in den USA jedenfalls deutet darauf hin, dass Amerika genug hat von der Repression. Der Staat soll sich an dieser Front nicht mehr verausgaben. Erstmals wünscht eine landesweite Mehrheit, Cannabis zu legalisieren. Die Droge hat ihren Schrecken verloren. Anders als sein Vorgänger Bill Clinton hat sich Präsident Barack Obama immer dazu bekannt, als Jugendlicher gekifft zu haben. Das Volk hat ihn trotzdem gewählt.

