Lebensmittelskandal um Eier:Minister hilflos

Christian Schmidt

Es hat viel zu lange gedauert, bis Landwirtschaftsminister Christian Schmidt den Skandal um die mit Fipronil belasteten Eier ernst genommen hat.

(Foto: dpa)

Im Eierskandal hätte die Politik schnell handeln müssen. Dennnoch ließ Agrarminister Christian Schmidt erst mal zwei Wochen verstreichen. Und dann sagte er bloß, alles sei unter Kontrolle.

Kommentar von Silvia Liebrich

Faule Eier stinken, das weiß jedes Kind. Unwahrscheinlich also, dass jemand auf die Idee käme, sie zu essen. Was aber, wenn die im Supermarkt erstandenen Eier oder Nudeln mit Giften oder Keimen belastet sind? Das zu erkennen ist für Verbraucher unmöglich. Sie müssen sich deshalb darauf verlassen können, dass Hersteller sauber arbeiten, Behörden sorgfältig kontrollieren. Klar ist aber auch, dass es hundertprozentige Sicherheit nicht geben kann. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Behörden und Politik schnell reagieren, wenn verunreinigte Lebensmittel oder Gammelfleisch in Umlauf geraten.

Im Fall des Insektengifts Fipronil, das nun in Hühnereiern aufgetaucht ist, hat dieser Mechanismus versagt. Viel zu lange hat es gedauert, bis Agrarminister Christian Schmidt das Problem ernst genommen hat. Erste Warnungen vor verseuchter Ware gab es innerhalb der EU bereits am 20. Juli. Trotzdem ließ Schmidt zwei Wochen verstreichen, bevor er sich umfassend zu Wort gemeldet hat, mit der fragwürdigen Aussage, dass die Lage unter Kontrolle sei. Dabei ist bislang völlig unklar, wie viele Millionen giftbelasteter Eier in Deutschland ausgeliefert wurden oder gar schon verzehrt sind.

Schnelles, engagiertes Eingreifen zum Schutz von Verbrauchern sieht anders aus. Zwar ist der Umgang mit Lebensmittelskandalen immer heikel - mit Panikmache und voreiligen Schuldzuweisungen ist niemandem geholfen. Doch Konsumenten haben auch ein Recht auf Aufklärung, ihr Schutz muss Vorrang haben. Nur drei Jahre nach dem Bayern-Ei-Skandal sollte gerade ein CSU-Minister mehr Fingerspitzengefühl und Engagement an den Tag legen. Damals erkrankten Hunderte Menschen, mindestens zwei starben. Als Ursache galten Eier aus Niederbayern, die mit Salmonellen verseucht waren. Das Drama beschäftigt bis heute die Gerichte.

Zwar ist es beruhigend, dass im Fall Fipronil offenbar keine direkte Gesundheitsgefahr besteht - bislang wurden in Eierproben nur unbedenkliche Mengen gefunden. Dennoch ist das Insektizid alles andere als harmlos. In der Nutztierhaltung ist es grundsätzlich verboten, seine Zulassung als Pflanzenschutzmittel ist zum Schutz von Bienen in Europa stark eingeschränkt.

Beunruhigend ist allerdings, dass jeder neue Lebensmittelskandal immer wieder die gleichen Schwachstellen offenbart. Wer Lebensmittel in Umlauf bringt, die krank machen können oder einfach nur ekelerregend sind, muss selten mit drastischen Strafen rechnen. Viele Gerichtsverfahren laufen ins Leere, auch weil geeignete Gesetze fehlen. Ein weiteres Manko ist, dass Verbraucher oft nicht erfahren, welche Firmen für solche Schlampereien verantwortlich sind. Es fehlt dafür die Transparenz, weil der Schutz von Firmen, ihrer Umsätze und Gewinne oft schwerer wiegt als der von Konsumenten.

Die derzeitige Bundesregierung hat in den vergangenen vier Jahren so gut wie nichts unternommen, um den Verbraucherschutz bei Lebensmitteln voranzutreiben. Das offenbart der Fall Fipronil auf erschreckend deutliche Weise. Zwar muss in diesem Fall niemand um Leib und Leben fürchten. Doch das kann schon im nächsten Fall ganz anders laufen, wie etwa im Sommer 2011 im Verlauf der Ehec-Krise. Damals starben mehr als 50 Menschen nach einer Infektion mit einem gefährlichen Darmkeim. Dies zeigt, wie wichtig es ist, schnell und umfassend zu informieren, denn auch Unwissenheit und Angst können Panik schüren. Schmidts Agieren ist blamabel und nicht mehr als hilfloses Rumeiern.

© SZ vom 05.08.2017/bemo
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