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Langeoog:Wie aus bunten Plastik-Eiern ein Umwelt-Desaster wurde

Plastikeier auf Langeoog

Seit Tagen sammeln Helfer auf der Insel Langeoog Kunststoff-Eier und sonstigen Plastikmüll ein.

(Foto: Klaus Kremer/dpa)

An den Stränden der ostfriesischen Insel Langeoog wurde tonnenweise Plastikmüll angeschwemmt. Wer haftet dafür? Und wer bewahrt den Nationalpark künftig vor solchen Katastrophen?

Gerade hat die Munkebo Maersk Danzig verlassen. Ihr Ziel: Bremerhaven. Vor ein paar Tagen noch war sie in der anderen Richtung unterwegs, ist an der Insel Langeoog vorbeigekommen. Bei dieser Passage hatte sie dort für eine bunte Überraschung gesorgt. Tausende und Abertausende Plastik-Eier liegen seitdem an Langeoogs Stränden.

Diese Plastik-Eier, normalerweise sind sie eingehüllt in die Schokolade von Überraschungs-Eiern, sind "nur der auffälligste Abfall, der uns weltberühmt gemacht hat", sagt der Bürgermeister Langeoogs, Uwe Garrels. Das größere Problem seien die unzähligen Plastikstreifen, die ebenfalls angespült worden seien.

Was war passiert? Als das unter dänischer Flagge fahrende Containerschiff Munkebo vor einigen Tagen in der Nordsee unterwegs war, sind ihm Container abhandengekommen, sagt Garrels. Fünf riesige Frachtkisten rissen sich mutmaßlich während eines Sturms los und stürzten in die See. Ihr Inhalt, die Plastik-Eier, verteilt sich nun an den Stränden Langeoogs. Für sie wird wohl der Versicherer der Reederei aufkommen. Was aber ist mit dem sonstigen, tonnenweise angespülten Plastikmüll? Wer bezahlt dafür? Dieser Dreck sei jedenfalls nicht auf den Frachtpapieren des Schiffs zu finden, sagt Garrels.

Plastik ist für das Ökosystem Meer ein großes Problem, erklärt der Meeresbiologe Thilo Maack. In der südlichen Nordsee, die eine der am meisten befahrenen Wasserstraßen der Welt ist, sei die Schifffahrt für mehr als 50 Prozent des Plastikmülls verantwortlich. Auf dem Grund des Meeres lägen geschätzt 600 000 Tonnen Müll, sagt Maack. Der Müll, der jetzt durch Sturm Axel in Langeoog angespült worden ist, sei nur ein kleiner Teil eines globalen Problems. "Plastik im Meer zersetzt sich nur sehr langsam", meint der Biologe. Die Eier, die in Langeoog angekommen sind, könne man natürlich wegräumen. Was aber noch im Meer treibe, werde von der Strömung überall hin verteilt.

Ähnliches gilt für den anderen Plastikmüll. Mit dem Unterschied, dass sich gerade die angespülten Streifen schnell für Vögel zu einem Problem entwickeln können: Schon jetzt liegen sie nicht mehr nur am Strand. Längst hat der Wind sie in den Dünen verteilt, haben die Wellen sie im Sand vergraben. Nun nutzen Vögel den Kunststoff, um damit Nistplätze zu bauen. Da Plastik aber schlechter isoliert als natürliche Stoffe, kann es passieren, dass Vögel und ihre Küken erfrieren. Das jedenfalls fürchtet Garrels. Also lässt er aufräumen. Dabei helfen Freiwillige von der Insel, Touristen, Mitarbeiter der Gemeinde und des Küstenschutzes. Die Zeit drängt: Am Wochenende drohen weitere Stürme.

Reederei will für Entsorgung der Eier bezahlen, aber nicht für den Rest

Und hier kommt nun die Versicherung der Reederei, Pandi Services, ins Spiel. Denn die sagt: Für die Entsorgung der Eier bezahlen wir. Aber der restliche Plastikmüll? "Das wissen wir noch nicht genau", sagt einer der Geschäftsführer, Rolf-Jürgen Hermes. Es seien so viele Sachen im Meer unterwegs und daher nicht ausgemacht, dass die Eier und die Streifen den selben Ursprung haben. Ein großes Problem sei, dass sich auf den Schiffen oft Waren befinden, die von irgendwo auf der Welt kommen. Man prüfe den Fall deshalb noch sehr genau.

Langeoog liegt im Nationalpark Wattenmeer. Je nachdem, wohin sich das Plastik verteilt, beträfe es Gebiete, die man nicht betreten darf. Außer es ist Gefahr im Verzug. Das sei noch nicht der Fall, gibt das Umweltministerium Niedersachsen bekannt. Die See um Langeoog ist eine von den Vereinten Nationen bestätigte sensible Zone. "Theoretisch wäre in einer solchen Zone eine Beschränkung des Schifffahrtverkehrs möglich", heißt es von Seiten des Umweltministeriums. Das aber wäre mit einem sehr großen Eingriff in die internationale Seefahrt verbunden. Andererseits: Es geht um ein Umweltproblem mit globalen Folgen: "Zehn Prozent des weltweit produzierten Plastik landen jährlich im Meer", sagt Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace. Er rechnet: "Das sind 33 Millionen Tonnen im Jahr, weltweit."

Doch im Moment scheint es gut möglich, dass schon bald wieder Container über Bord gehen und Müll an die Strände gespült wird. Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels hofft vor allem darauf, dass ihm die Politik hilft. "Wenn die Umwelt- und Wirtschaftsministerien nicht reagieren, mache ich ein großes Ding daraus", warnt er. Wirtschaft und Politik wollen, dass große Schiffe wie die Munkebo Häfen in der Nähe anlaufen - gleichzeitig hofft man, die Umwelt schützen zu können. Ein Spagat. Garrels findet: "Die stärken die Häfen, dann sollen sie auch uns stärken."

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