Landgericht Osnabrück Bewährungsstrafen im Transrapid-Prozess

2006 starben 23 Menschen, als ein Test-Transrapid in einen Werkstattwagen raste - jetzt sind die beiden Fahrdienstleiter zu Bewährungstrafen verurteilt worden. Selbst der Staatsanwalt forderte eine milde Strafe.

Rund viereinhalb Jahre nach der Transrapid-Tragödie mit 23 Todesopfern und elf Verletzten sind die beiden verantwortlichen Fahrdienstleiter zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Urteil des Osnabrücker Landgerichts lautete bei den beiden Familienvätern im Alter von 61 und 52 Jahren auf fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Tötung. Das Gericht verhängte Strafen von einem Jahr beziehungsweise einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung.

Die beiden Fahrdienstleiter legten nach Eindruck des Oberstaatsanwalts "eindrucksvolle Geständnisse" ab - das Landgericht Osnabrück verhängte Bewährungsstrafen.

(Foto: dpa)

Die beiden Männer hatten im September 2006 schlicht vergessen, vor der Fahrtfreigabe für den Magnetzug einen tonnenschweren Werkstattwagen von der Strecke zu nehmen. Beide Angeklagte hatten zuvor die Vorwürfe eingeräumt und die Opfer und Hinterbliebenen um Entschuldigung gebeten. "Ich finde keine Erklärung für meinen schweren Fehler", sagte der 61-Jährige. Beide sind seit der Tat psychisch krank.

Ein "gleichzeitiges, kollektives Aussetzen" habe zu dem Unfall geführt, sagte Oberstaatsanwalt Hubert Feldkamp während der Verhandlung. "Dieses Unglück hat nicht eine Person allein verschuldet." Die beiden Angeklagten trügen zwar die Hauptschuld. Doch der Oberstaatsanwalt wies darauf hin: "Eine unachtsame Sekunde, das kann jedem passieren."

Deshalb plädierte er auch nicht für eine höhere Bestrafung, die Beschuldigten seien durch die Vorfälle bereits gestraft. Beide galten zumindest zeitweise als suizidgefährdet und lange Zeit als nicht verhandlungsfähig.

Die beiden Fahrdienstleiter hatten sich zu Beginn der Verhandlung geäußert. Der 61 Jahre alte erste Fahrdienstleiter sagte, er sei sich bewusst, dass durch seinen Fehler "unendliches Leid" über die Opfer und ihre Familien gekommen sei. Er bat um Vergebung. "Ich würde alles dafür geben, wenn ich diesen schrecklichen Unfall ungeschehen machen könnte", sagte er.

Der zweite Fahrdienstleiter sagte, er könne sich seinen Fehler nur so erklären, dass er in Gedanken noch bei einem Gespräch mit Kollegen gewesen sei. Oberstaatsanwalt Feldkamp sprach von "eindrucksvollen Geständnisse". Am 22. September 2006 war der Test-Transrapid, in dem sich eine Besuchergruppe befand, mit mehr als 170 Stundenkilometern in einen auf der Strecke abgestellten 40 Tonnen schweren Werkstattwagen gerast.

Damit ist die juristische Aufarbeitung des Unfalls abgeschlossen. Bereits im Mai 2008 waren zwei frühere Betriebsleiter der Magnetschwebebahn-Teststrecke zu Geldstrafen von 20.000 und 24.000 Euro verurteilt worden. Sie hatten es nach Überzeugung des Gerichts versäumt, in der Betriebserlaubnis verbindlich vorgeschriebene elektronische Fahrwegsperren auch umzusetzen. Mit der Fahrwegsperre wäre nach Überzeugung des Gerichts der Unfall trotz der Unachtsamkeit der beiden Fahrdienstleiter nicht passiert.