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Landgericht Braunschweig:"Sie haben ihn im Stich gelassen"

Bis auf die Knochen magert ein behinderter Mann in einer Wohnung in Salzgitter ab und stirbt. Der Bruder wird jetzt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Wegen des Hungertods eines 56-jährigen Behinderten ist der Bruder des Opfers zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 48-Jährige habe sich als amtlich bestellter Betreuer der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, urteilte das Landgericht Braunschweig. "Objektiv haben sie ihn im Stich gelassen", begründete Richter Ralf-Michael Polomski das Urteil.

Der schwerbehinderte Mann war im Februar 2012 tot und bis auf die Knochen abgemagert in der Wohnung seiner Mutter in Salzgitter gefunden worden. Die an Diabetes erkrankte 73-Jährige war offenbar überfordert mit der Pflege. Als die Polizei die Leiche des 1,83 Meter großen Mannes fand, wog er nur noch 28,6 Kilogramm.

Während des Prozesses hatte Staatsanwältin Bianca Schöpper für den Bruder des Opfers eine eineinhalbjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

Einer Lokalzeitung zufolge hatte sich der Angeklagte vor Gericht selbst als jemanden beschrieben, der "Verantwortung für die Eltern, die Pflege des Elternhauses und den pflegebedürftigen Bruder übernommen hatte." Er hatte die Wohnung von Mutter und Bruder vier Wochen vor dem Hungertod des Bruders zuletzt besucht. Er hatte beteuert, dass ihm dessen Zustand nicht aufgefallen sei.

© Süddeutsche.de/dpa/kjan/jst
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