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Belgien:Die Kürbis-Kernkompetenz von Kasterlee

Kürbis-Regatta 2019 in Kasterlee, Belgien

So groß wie ein Boot: Monsterkürbis im belgischen Flandern.

(Foto: Christian Tönsmann)

Halloween? Spielt in der Gemeinde Kasterlee keine Rolle. Die prämierten Riesenkürbisse, die dort gezüchtet werden, sind zu Höherem bestimmt. Zum Beispiel als Kajaks für eine Kürbisregatta.

Kurz vor Allerheiligen, Halloween, wie man heute sagt, und nicht nur in Baltimore, sondern auch in Bielefeld und Brüssel ziehen Kinder möglichst gruselig verkleidet um die Häuser. Dazu wird jeder Kürbis, der größer ist als ein Babykopf, zur Fratze geschnitzt.

Auch die Gemeinde Kasterlee im belgischen Flandern ist saisongemäß voll mit Kürbissen. Aber so wie Flandern oft nicht richtig Teil von Belgien sein will, will Kasterlee offenbar nicht Teil des um sich greifenden Halloween-Spektakels sein: Hier sind die Kürbisse als Schweinchen oder Marienkäfer angemalt; und gruselig ist höchstens eine Kürbisfrau mit üppigen Kürbisbrüsten, die am Rande einer schlammigen Wiese steht. Fast könnte man meinen, in Kasterlee dürfe der Kürbis noch Kürbis sein, aber so ist es nicht: Denn für die Leute aus Kasterlee ist der Kürbis auch Kajak.

"In die Kürbisse, fertig los!", ruft eine Stimme per Lautsprecher, und mit dem Startsignal paddeln die ersten vier von mehr als 350 Menschen los, die an diesem Tag in etwa 90 Viererteams an einem Staffelrennen teilnehmen - kniend in ausgehöhlten Riesenkürbissen. Die Kürbisregatta, die seit zwölf Jahren immer am letzten Sonntag im Oktober ausgetragen wird, ist der absolute Höhepunkt der an Höhepunkten auch sonst nicht armen Kürbissaison in Kasterlee, aber dazu später.

Kürbis-Regatta 2019 in Kasterlee, Belgien

Absoluter Höhepunkt der Kürbissaison: die Kürbisregatta im belgischen Kasterlee.

(Foto: Christian Tönsmann)

Wie schwierig es ist, einen Kürbis zu steuern, sieht man schon in diesem ersten Rennen. Die Kürbisse schwimmen zwar tadellos, wackeln aber bedrohlich; und manche Kürbiskapitäne drehen sich eher um sich selbst, als den Schwimmstegen näherzukommen, die sie eigentlich umrunden sollen. Schon im ersten Rennen geht ein Kürbis im nicht allzu tiefen Wasser außerdem einfach unter, unter großem Gelächter von Teilnehmern und Zuschauern, die sich die Hände an Bechern mit Kürbissuppe wärmen und dazu Kürbisbier trinken (Letzteres ist in Belgien einigermaßen normal). Helfer eilen sogleich mit einem Ersatzkürbis herbei, und mit Eimern, um den gesunkenen Kürbis leerzuschaufeln.

"Am besten ist es, das Gewicht im Kürbis etwas nach vorne zu verlagern, dann sieht man wenigstens, wenn Wasser hineinläuft", sagt Loes Vanderfeesten aus dem mit Tarnjacken verkleideten Team "Lekker met de meiden", was ungefähr so viel heißt wie "eine gute Zeit mit den Mädels haben". Der Tipp scheint gut zu sein: Am Ende belegen Lekker met de meiden den ersten Platz ihres Rennens. "Wir hatten aber auch einen echt großen Kürbis", sagt Vanderfeesten.