Kriminalstatistik 2011 Drei Kinder pro Woche getötet

Die Zahl der getöteten Kinder ist 2011 um ein Fünftel gesunken - doch jedes der 146 Opfer sei eines zu viel, sagt der Präsident des Bundeskriminalamts, der die Kriminalstatistik nun in Berlin vorgelegt hat. Gestiegen ist die Zahl der versuchten Morde.

Drei Kinder pro Woche sind 2011 in Deutschland durchschnittlich getötet worden. Das ist das Ergebnis einer Kriminalstatistik, die das Bundeskriminalamt (BKA) gemeinsam mit dem Verein Deutsche Kinderhilfe und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter an diesem Dienstag vorgelegt hat. Die Bilanz erfasst alle Kinder, die Opfer von Tötungsverbrechen oder einer strafrechtlich bedeutsamen Vernachlässigung mit Todesfolge werden. Die Zahl der getöteten Kinder in Deutschland ist damit im Vergleich zu 2010 um etwa ein Fünftel gesunken. Die meisten der 146 Opfer waren unter sechs Jahre alt, wie BKA-Präsident Jörg Ziercke in Berlin berichtete. "Jedes betroffene Kind ist eines zu viel", sagte er.

Die erfassten Misshandlungen gingen um sechs Prozent zurück. Demnach wurden 2011 pro Tag durchschnittlich elf Kinder misshandelt. Gestiegen ist hingegen die Zahl der versuchten Morde und Totschlagsdelikte. Mit 72 gemeldeten Fällen sind das 24 Prozent mehr als 2010. Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern nahm im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent zu. "Mehr als 14.000 Kinder wurden Opfer eines sexuellen Missbrauchs", sagte Ziercke. Zudem wurden 2011 im Schnitt täglich 17 Fälle im Bereich der Kinderpornografie gezählt. Die Dunkelziffer sei allerdings wesentlich höher.

Kinderhilfe-Vorsitzender Georg Ehrmann forderte eine grundlegende Reform des staatlichen Kinder- und Jugendhilfesystems. Dieses könne in seiner jetzigen Form nicht als funktionierend beschrieben werden, sagte er. Es gebe keine bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards, etwa, was die Praxis von Hausbesuchen in Familien oder den Umgang mit als gewalttätig bekannten Eltern angehe.