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Kriminalität - Stuttgart:Zahl der Geldautomaten-Sprengungen so hoch wie nie zuvor

Baden-Württemberg
Ein gesprengter Geldautomat steht in einem Bankraum in Ladenburg. Foto: R.Priebe/Pr-Video/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Stuttgart (dpa/lsw) - Ein ohrenbetäubender Lärm zerreißt die nächtliche Stille im Gewerbegebiet von Schwetzingen. Dann noch eine Explosion. Und schließlich eine dritte, bis von dem kleinen Pavillon und den beiden Geldautomaten auf dem Parkplatz nur noch Trümmer übrig bleiben. Die Polizei kommt zu spät, die Täter sind mit ihrer Beute längst getürmt. Wie so oft im vergangenen Jahr. 41 Mal haben Kriminelle 2020 nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Geldautomaten in die Luft gejagt. Die Tresore wurden so oft zum Ziel von meist unbekannten Panzerknackern wie nie zuvor.

Schon im Jahr 2019 war die Zahl der Attacken stark gestiegen, insgesamt waren 33 Meldungen beim LKA eingegangen. Im Jahr zuvor hatte die Polizei noch 21 Fälle registriert, im Jahr 2017 waren es 18. In den Jahren zwischen 2013 und 2015 habe die Zahl der Fälle noch im einstelligen Bereich gelegen, teilte das LKA mit. Spitzenreiter unter den Bundesländern war 2020 erneut NRW mit mehr als 170 Sprengungen oder Sprengversuchen.

Allerdings gehen die Räuber weiter meistens leer aus. Nur in 16 Fällen konnten sie im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg tatsächlich Beute machen, in allen anderen Fällen ging etwas schief. Mal explodierte es nicht, dann wieder war auch eine Detonation keine Garantie auf die Beute: Zehn Mal zerstörten Räuber einen Automaten, mussten aber trotzdem erfolglos abziehen. Insgesamt wurden laut LKA etwa 1,5 Millionen Euro gestohlen.

In einem besonders aufsehenerregenden Fall in Erligheim (Kreis Ludwigsburg) kostete der Versuch einen Menschen sogar das Leben: Im November wird ein Mann beim Versuch, einen Geldautomaten zu sprengen, erwischt, er geht auf die Polizeibeamten los, die Situation eskaliert und er wird erschossen.

Bevorzugte Regionen haben die Räuber nach Angaben der Ermittler nicht. Allerdings lägen die Tatorte meist nahe an Fernstraßen und Autobahnen, um die Flucht nach dem Knall zu erleichtern. Verdächtigt werden oft Menschen mit marokkanischer Abstammung aus den Niederlanden.

Zerstört werden die Automaten meistens, indem Gas eingeleitet und angezündet wird. Allerdings werden auch Feststoffe als Sprengmittel genutzt, sagte eine LKA-Sprecherin. Sie seien aber schwieriger zu nutzen und risikoreicher, denn das Ausmaß der Sprengung lasse sich nicht genau einschätzen. "Dieser Umstand führte in den bekanntgewordenen Fällen, bei denen nachweislich Feststoffsprengstoff eingesetzt wurde, zu hohen Schadenssummen an Gebäuden, in denen die Geldautomaten verbaut sind", sagte sie.

Die Sprengungen richten teilweise größere Schäden an als der Diebstahl des Geldes. Beim Überfall in Schwetzingen zum Beispiel konnten die Räuber nach Polizeiangaben mit rund 100 000 Euro entkommen, der Schaden am komplett zerstörten Pavillon und den Automaten wird dagegen auf 200 000 Euro geschätzt. Das Bundeskriminalamt geht davon aus, dass durch Sprengungen bundesweit ein Sachschaden in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe entstanden ist.

Zwar sind die Geldhäuser gegen Sachschäden versichert. Gerät ein Institut häufiger ins Visier der Kriminellen, wird die Versicherung in der Regel aber teurer. Deshalb versuchen Banken und Sparkassen schon seit längerem, den "Panzerknackern" mit den unterschiedlichsten Sicherheitsmaßnahmen das Leben schwer zu machen. So können die Automaten beispielsweise mit einer Technik zur Gas-Neutralisierung ausgestattet werden. Eine andere Methode: Bei einer Sprengung wird das Geld eingefärbt.

© dpa-infocom, dpa:210326-99-978279/3

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