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Kriminalität - Marburg:Experte: Rechtsextremismus in Hessen nicht besonders stark

Marburg (dpa) - Hessen ist nach der Einschätzung eines Experten trotz mehrerer aufsehenerregender Gewalttaten nicht rechtsextremer als andere Bundesländer. "Man kann zwar sagen "schon wieder Hessen", aber das ist jetzt nicht unbedingt etwas strukturell Spezifisches", sagte der Extremismus-Experte Reiner Becker von der Universität Marburg der Deutschen Presse-Agentur. Aber: Es könne selbstverständlich ein subjektives Empfinden geben, dass Hessen ein größeres Problem mit Rechtsextremismus hat als anderswo. Becker leitet das Demokratiezentrum Hessen, das unter anderem Präventionsarbeit betreibt.

"Man braucht ja nur die Chronologie durchzugehen seit dem Mord an Walter Lübcke, dem Mordversuch an einem jungen Eritreer in Wächtersbach", sagte Becker. Diesen Mittwoch erschoss ein 43-jähriger Deutscher in Hanau bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag neun Menschen, später tötete er wohl noch seine Mutter und sich selbst.

Seit vergangenem Sommer geriet Hessen wegen mehrerer Bluttaten in die Schlagzeilen, die einen rassistischen oder mutmaßlich rechtsextremen Hintergrund haben: Im Juni 2019 wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen erschossen. Der Generalbundesanwalt geht bei dem mutmaßlichen Täter Stephan E. von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Im Juli feuerte ein Deutscher in Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis) aus rassistischen Motiven Schüsse auf einen Eritreer ab und verletzte diesen schwer.

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