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Kriminalität:Grausige Gewissheit: Elias und Mohamed Opfer von Sexualtäter

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Blumen und Kerzen stehen zur Erinnerung an den getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed an der Auffahrt zum Lageso in Berlin. Foto: Gregor Fischer (Foto: dpa)

Berlin (dpa) - Der fürchterliche Verdacht bestätigt sich schnell. Schon nach der Festnahme eines Verdächtigen fragten sich Polizei und viele andere Menschen: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des kleinen Flüchtlingsjungen Mohamed in Berlin und des sechsjährigen Elias in Potsdam?

Am Freitag dann die Nachricht von Polizei und Staatsanwaltschaft: Der mutmaßliche Mörder von Mohamed hat in der Nacht gestanden, auch Elias umgebracht zu haben. Am Nachmittag fand die Brandenburger Polizei auf einem Schrebergartengrundstück nahe Luckenwalde, das der Mann seit einem Jahr gepachtet hat, eine weitere Leiche.

Der Verdächtige, der als Wachmann in Brandenburg arbeitete, hatte der Polizei eine Stelle skizziert, wo der tote Elias vergraben sei. Ob wirklich Elias gefunden wurde, sollte eine Obduktion klären. Das Ergebnis liegt wohl erst am Montag vor.

Weitere Details sorgten für Erschütterung und Trauer. Der mutmaßliche Mörder sagte aus, er habe nur Kleidung und Plüschtiere für die Flüchtlinge vor der Anlaufstelle in Berlin-Moabit spenden wollen. Angeblich wurde er dann in dem Menschengewimmel von Hunderten Flüchtlingen auf Mohamed aufmerksam und gab ihm ein Plüschtier. Der Junge sei dann hinter ihm hergelaufen und mit zum Auto gekommen, so die Aussage, die auch eine Schutzbehauptung sein kann.

Mohamed wurde nach Aussage des Täters noch am Abend und in der Nacht der Entführung vom 1. Oktober im Obergeschoss des Elternhauses in Kaltenborn in Südbrandenburg sexuell missbraucht. Dann habe des Kind "gequengelt und gemault" und weg gewollt, zitierte Oberstaatsanwalt Michael von Hagen die Aussagen des Täters. Aus Angst, entdeckt zu werden, erdrosselte der Mann den Jungen mit einem Gürtel.

Die Leiche deponierte er auf dem Dachboden in einer Wanne. Zwei bis drei Säcke Katzenstreu kippte er über den toten Körper, um Leichengeruch zu vermeiden.

Zu der Entführung und dem Mord an Elias äußerte sich der 32-Jährige nach Angaben der Staatsanwälte bisher noch nicht so ausführlich. Er deutete demnach nur an, dass er auch Elias sehr schnell nach der Entführung getötet habe.

Einen Zusammenhang mit einem dritten Fall sahen die verschiedenen Kriminalpolizeibehörden zunächst nicht: Am 2. Mai verschwand die fünfjährige Inga in einem Wald bei Stendal in Sachsen-Anhalt. Bisher gebe es keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Entführungen der beiden Jungen, so die Ermittler.

In Kaltenborn, einem Ortsteil von Niedergörsdorf, dem Wohnort des Täters, zeigten sich Bewohner erschüttert. "Ich kann das gar nicht fassen", sagt eine 22-Jährige, die direkt gegenüber des mutmaßlichen Doppelmörders wohnt. "Das war immer ein ruhiger und freundlicher Mensch." Niemals wäre sie darauf gekommen, dass ihr Nachbar der gesuchte Kindermörder sein könnte.

Ein scheuer Einzelgänger sei der 32-Jährige gewesen, sagt die Nachbarin. "Er hat immer nachts gearbeitet und hatte, soweit ich weiß, kaum soziale Kontakte. Er war meist zu Hause." Abends sei er häufig mit seinen Eltern zum Essen gegangen. "Auf mich wirkten die immer wie eine harmonische Familie", erinnert sie sich. 

In Potsdam-Schlaatz, wo die Familie von Elias wohnte, sagt eine 30-jährige Nachbarin: "Ich bin sehr betroffen. Ich habe selbst einen Jungen im gleichen Alter wie Elias. Im vergangenen Jahr habe ich ihn auf einem Volksfest mal fünf Minuten aus den Augen verloren und das war absoluter Horror."

In Berlin begann unterdessen eine Diskussion darüber, ob die Zustände vor der Anlaufstelle für Flüchtlinge im Stadtteil Moabit ihren Teil zum Tod von Mohamed beitrugen.

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) sah die Landesregierung in der Verantwortung: "Der Berliner Senat trägt mit seiner unendlich verlangsamten Reaktion auf die seit Monaten bemängelten chaotischen Verhältnisse vor dem Lageso eine Mitschuld." Zuvor hatte die Grünen-Landesvorsitzende Bettina Jarasch dem "Tagesspiegel" gesagt, die chaotischen Zustände am Lageso hätten dem Täter eine Entführung leicht gemacht.

Winfried Wenzel vom Landeskriminalamt widersprach mit Blick auf den Täter: "Der Fall Elias zeigt, dass ein vollständig abweichendes Szenario auch für ihn geeignet war, eine solche Tat zu begehen."