Süddeutsche Zeitung

Kriminalität:EU geht mit Drohnen auf Einbrecherjagd

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Europäische Polizisten gehen mit kaum sichtbaren Drohnen gegen Einbrecherbanden vor. Beteiligt ist auch das BKA. Das geht aus einer Liste hervor, die der SZ vorliegt.

Von Max Hoppenstedt

Man stelle sich vor, ein paar Autodiebe haben sich in eine Lagerhalle geflüchtet, hier sollen die geklauten Wagen an Komplizen übergeben werden. Deutsche Ermittler observieren die Gruppe, doch den entscheidenden Moment drohen sie zu verpassen. Durch ein gekipptes Fenster hören sie zwar, was in der Halle passiert, doch sie sehen nichts. Bis sie durch den Fensterspalt mit einer kaum hörbaren Nano-Drohne fliegen, die für sie alles auf Kamera festhält.

Was wie eine Szene aus einem "Tatort"-Krimi klingt, könnte längst Realität sein. Denn ein EU-weites Polizeiprojekt, an dem auch das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt ist, hat offenbar für Ermittlungen gegen organisierte Einbrecherbanden zwei sehr kleine, mit zwei Kameras ausgestattete Drohnen eingekauft. Das geht aus einer nichtöffentlichen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die Nano-Drohnen heißen "Black Hornet" (deutsch: Schwarze Hornisse) und sind etwa 17 Zentimeter lang. Der Rotor hat etwa 12 Zentimeter Durchmesser. Hergestellt werden die Fluggeräte von dem US-amerikanischen Unternehmen Flir, das die Nano-Drohnen vor allem für den militärischen Einsatz bewirbt. Auch die Bundeswehr besitzt Modelle der Nano-Drohne.

Beschafft wurden die Drohnen für das EU-Projekt "Spectre", das von der französischen Nationalpolizei, dem BKA und einem speziellen Büro der litauischen Kriminalpolizei geleitet wird. Ziel des Projektes ist es, grenzübergreifend operierende Banden zu schnappen, insbesondere in den Bereichen Diebstahl, Geldwäsche und Korruption. Der EU zufolge wurden im Rahmen des Projekts bis Dezember 2019 insgesamt 450 Verdächtige festgenommen und zwölf Millionen Euro beschlagnahmt.

Insgesamt wurde für das Spectre-Projekt Technik für 200 000 Euro gekauft. Neben den Nano-Drohnen wurden auch 40 GPS-Ortungsgeräte bestellt, mit denen sich der Standort von Verdächtigen in Echtzeit verfolgen lässt. Außerdem wurden laut der Auflistung der Bundesregierung auch Geräte beschafft, mit denen Ermittler feststellen können, ob Kriminelle Frequenzstörgeräte, sogenannte Jammer, einsetzen. Kriminelle auf der Flucht können mit Jammern Funk und Handysignale in ihrem Umkreis blockieren, etwa wenn sie befürchten, dass ihre Handys von der Polizei getrackt werden oder dass in gestohlenen Autos Funkmelder verbaut sind. Korrekturhinweis: Aufgrund eine Umrechnungsfehlers war in einer früheren Version des Artikels die Rede von einer Länge von nur zwei Zentimetern. Tatsächlich ist die Drohne rund 17 Zentimer lang. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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