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Kriminalität:Blutspuren im Vorort-Idyll

Die französische Polizei sucht seit zwei Wochen nach der Familie Troadac.

(Foto: AFP)
  • Von einer vierköpfigen Familie aus einem Vorort der westfranzösischen Stadt Nantes fehlt seit zwei Wochen jede Spur.
  • Die Polizei hat im gesamten Haus Blutspuren gefunden. Sie ermittelt wegen Mord und Entführung.
  • Laut Medienberichten sollen Vater und Sohn psychische Probleme gehabt haben.

Die Rue d'Auteuil liegt in einer ruhigen Wohngegend in Orvault, einem 24 000-Seelen-Vorort der westfranzösischen Stadt Nantes. Weiß getünchte Einfamilienhäuser reihen sich aneinander. Die Grundstücke sind mit kleinen, weißen Mauern voneinander abgegrenzt. Die Fenster weiß, die Türen weiß, alles erstrahlt hell und freundlich. Doch hinter der Tür von Haus Nummer 24 ist die Idylle zerstört. Zahlreiche Blutspuren zeugen davon, dass sich hier ein Verbrechen abgespielt haben muss.

Der Fall ist rätselhaft. Von der Familie Troadac, die in diesem Haus lebt, fehlt seit zwei Wochen jede Spur. Die Eltern, Pascal und Brigitte, beide um die 50 Jahre alt, sowie der 21-jährige Sohn Sebastien und die 18-jährige Tochter Charlotte sind seit dem 16. Februar nicht mehr gesehen worden. Die Polizei sucht nach ihnen. Jetzt werde wegen Mord und Entführung ermittelt, sagt Staatsanwalt Pierre Sennes.

Der Kühlschrank sei mit Essen gefüllt gewesen, in der Spüle habe sich das dreckige Geschirr gestapelt, beschreibt Staatsanwalt Sennes die Situation vor Ort. Die Zahn- und Haarbürsten dagegen fehlten und die Betten waren abgezogen. "Es ist, als ob das Leben in dem Haus eingefroren wurde." Die Blutspuren seien auf beiden Etagen des zweistöckigen Hauses sowie auf dem Handy des Sohnes und der Uhr der Mutter gefunden worden. Manche von ihnen wurden verwischt. Die Blutspuren hätten die DNA von drei der vier Familienmitglieder aufgewiesen. Von welchen, das sagt er aber nicht.

Vater und Sohn sollen psychische Probleme gehabt haben

Während die beiden Autos der Eltern am Haus parkten, ist der Wagen des Sohnes verschwunden. "Sebastiens Handy ist das letzte, das ausgeschaltet wurde", sagt Sennes. Medienberichten zufolge hatte der Sohn psychische Probleme. Auch der Vater habe in der Vergangenheit unter Depressionen gelitten.

Der Fall weckt Erinnerungen an die Ermordung einer Mutter und ihrer vier Kinder im Jahr 2011 ebenfalls in der Nähe von Nantes. Von dem Familienvater, der als Hauptverdächtiger gilt, fehlt bis heute jede Spur. Eine besonders erstaunliche Parallele zwischen den beiden Fällen: Einer der 2011 ermordeten Söhne ging Medienberichten zufolge auf dieselbe Schule wie Sebastien Troadac, der nun mit seiner Familie spurlos verschwunden ist.

© SZ.de/AFP/lot/ewid
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