Krim Kummer-Tod

Sie konnten Minen auf dem Meeresgrund finden und selbst U-Boote mit Sprengstoff angreifen: die Kampf-Defline auf der Krim.

(Foto: Sergei Ilnitsky/dpa)

Mit dem Einmarsch russischer Truppen auf der Krim hat die Ukraine auch ihre Militär-Delfine verloren. Eigentlich wollte Russland die tierische Spezialeinheit für seine Zwecke nutzen. Doch die Delfine sind jetzt gestorben. Helden-Tod?

Von Florian Hassel

Es waren traurige Tage für die Delfintrainer der ukrainischen Flotte: Als im März 2014 russische Streitkräfte die Krim besetzten, übergaben ihnen die demoralisierten Ukrainer auch das Flottendelfinarium im Hafenort Sewastopol - und zogen mit der restlichen ukrainischen Armee kampflos von der Krim ab. Die Delfine würden nun "der Flotte Russlands dienen", verkündete ein russischer Offizier kurz nach der Besetzung.

Die Delfine wechselten nicht zum ersten Mal ihre Vorgesetzten. Schon 1973 begannen sowjetische Marinespezialisten in Sewastopol mit der Dressur von Delfinen, nach dem Vorbild der US-Marine im Hafenort San Diego. Delfine können mit ihrem hoch entwickelten Sonar nicht nur Minen auf dem Meeresgrund finden, sondern mit Sprengstoff bestückt auch U-Boote oder Schiffe angreifen oder unter Wasser feindliche Kampftaucher ihrerseits attackieren.

Mit dem Ende der Sowjetunion fiel das Delfinarium an die ukrainische Flotte. Bei der war das Geld lange so knapp, dass die Delfintrainer ihre Schützlinge auch bei der Betreuung behinderter Kinder einsetzten, um die Kasse aufzubessern. Im Oktober 2012 aber beschrieb ein ukrainischer Offizier stolz ein neues Trainingsprogramm.

Die Ukrainer brachten ihren Delfinen so viel bei, dass der damalige Chef des Beirates beim russischen Verteidigungsministerium für die gemeinsame Verwendung der Delfine auch beim Schutz von Schiffen der russischen Schwarzmeerflotte warb, die aufgrund eines Abkommens zwischen Kiew und Moskau auch nach der Unabhängigkeit der Ukraine weiter in Sewastopol lagen.

Sie verweigerten nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch die Nahrung

Doch im März 2014 war jede Gemeinsamkeit am Ende, die Russen besetzten die Krim. Vier Delfine zur Betreuung behinderter Kinder wurden einem städtischen Delfinarium übergeben, der Rest in den Dienst der russischen Marine gestellt. Die habe neue Programme erarbeitet, "bei denen von den Delfinen per Sonar gefundene Unterwasserziele direkt auf dem Bildschirm ihres Operators auftauchen", beschrieb ein russischer Offizier. Im Dezember 2014 meldeten die Russen stolz, dass die Delfine Unterwasserminen selbst in Tiefen unter 60 Meter erfolgreich aufspürten.

Das aber ist nur ein Teil der Wahrheit, so der Kiewer Krim-Bevollmächtigte Boris Babin. Dem Internetdienst Obozrevatel sagte er, dass sich die noch von Ukrainern dressierten Delfine "nicht nur geweigert haben, mit ihren neuen russischen Trainern zusammenzuarbeiten, sondern auch keine Nahrung aufnehmen wollten - und einige Zeit später starben". Derlei patriotisches Verhalten stehe in krassem Gegensatz zu dem von "sehr vielen ukrainischen Soldaten, die 2014 auf der Krim stationiert waren - und sich in der Frage von Eid und Treue bedeutend schlechter verhalten haben als diese Delfine", sagte Babin. Ukrainische Streitkräfte hatten den Russen die Krim 2014 kampflos überlassen.

Aus Kummer sterbende Delfine? Tatsächlich berichtete die kalifornische Delfinforscherin Susan Shane schon 1998, dass Delfine in Gefangenschaft manchmal Nahrung bis zum Tod verweigern, wenn im Becken etwa ein anderer Delfin zu Tode kommt. Fest steht offiziellen Ausschreibungsunterlagen zufolge, dass das russische Verteidigungsministerium im August 2016 beim Moskauer Utrischskij-Delfinarium fünf Delfine kaufte und offenbar nach Sewastopol brachte.

Ob diese Tiere die angeblich in patriotischer Pflichterfüllung gestorbenen Delfine ersetzen oder die ukrainischen Veteranen zum Überlaufen bringen sollten, ist nicht bekannt.