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Kriegsflüchtlinge im Kosovo:Wenn staatliche Hilfe fehlt

Kosovo ist das ärmste Land Europas: Der Weltbank zufolge lebt knapp die Hälfte der 1,8 Millionen Einwohner von weniger als 1,55 Euro am Tag. Offiziell zumindest: Inoffiziell bekommen viele Familien Geld von Hunderttausenden Kosovo-Albanern, die in Deutschland, Frankreich oder Italien arbeiten. Doch die Jonuzis haben keine Verwandten im Ausland. Vater Sabedin ist Diabetiker, meistens fehlt das Geld für die Medikamente. Vor achtzehn Monaten entzündete sich sein rechtes Bein - es musste amputiert werden. Arbeiten kann er seitdem nicht mehr. Seit kurzem schmerzt auch das linke Bein. Muss Sabedin Jonuzi zum Arzt, hilft die Besitzerin des Brautmodegeschäftes im Erdgeschoss seiner Frau Ibadete, ihren Mann aus der Wohnung im ersten Stock durch das verfallene, unbeleuchtete Treppenhaus nach unten zu tragen. Die Nachbarn helfen der Familie, wo sie nur können. "Der Besitzer eines kleinen Supermarktes gibt uns Essen und nimmt nie Geld von uns."

Das Rathaus von Pristina ist nicht weit von der Wohnung der Jonuzis entfernt. Von der Stadt bekommt die Familie 90 Euro Sozialhilfe - aber keine andere Wohnung. "Der zuständige Beamte sagte, um dafür berechtigt zu sein, müssten wir erst einmal zehn Jahre Sozialhilfe beziehen", so schildert es Ibadete Jonuzi. Melinda Gojani von der privaten Mutter-Teresa-Stiftung (MTS) kennt die Not der Jonuzis. "Eigentlich hätten sie längst eine Wohnung bekommen müssen. Aber in Kosovo profitieren von Hilfe längst nicht immer die wirklich Bedürftigen" - eine Anspielung auf die weitverbreitete Korruption bei staatlichen Wohnprogrammen.

Die Stiftung hat den Jonuzis Holz für den Winter gekauft - mehr kann sie nicht tun. "Allein in Pristina fragen bei uns 800 bedürftige Familien um Hilfe", sagt Gojani. 170 Häuser hat die Stiftung im vergangenen Jahrzehnt gebaut - "ein Tropfen auf den heißen Stein". Etwa 3000 Familien warten in Kosovo noch vergeblich auf ein neues Haus, schätzt die MTS-Frau. Nicht nur MTS fehlt das Geld - auch UNHCR strich sein Häuserprogramm für Flüchtlinge in den letzten Jahren deutlich zusammen. Im März allerdings startet das Hilfswerk in der Region eine neue Wohnbauinitiative, sagt Mirjana Ivanovic-Melenkovski vom UNHCR-Büro in Belgrad.

Dass die für die Jonuzis schnell genug kommt, ist jedoch unwahrscheinlich. Vor kurzem, so Gojani von MTS, hat die Stadt Pristina Grundstück und Haus, in dem die Jonuzis leben, an einen privaten Investor verkauft. Der will das baufällige Haus abreißen. Bis Ende April muss die Familie raus. Die Antwort auf einen Antrag der Jonuzis, ihr eine andere Wohnung zu geben oder ihr einem Metallcontainer zuzuweisen, ist datiert vom 17. Januar und fällt denkbar knapp aus: "Wir haben keinerlei freien Wohnraum, um Sie unterzubringen."