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Kreationisten-Museum:Alle Antworten stehen in der Bibel

Auf einer nachgebauten Ausgrabungsstätte rund um Dinosaurierknochen aus Plastik präsentieren im Video zwei als Wissenschaftler vorgestellte Männer unterschiedliche Theorien. Der asiatisch aussehende Naturwissenschaftler erzählt jene Version, die man aus dem Biologieunterricht kennt. Ihm gegenüber steht eine ältere Version von Indiana Jones. Der Mann ist der Meinung, der Saurier sei vor 4300 Jahren während der biblischen Sintflut verschüttet worden. Zwei Wissenschaftler, jeder darf seine Meinung haben, aber einer ist moralisch überlegen, das erfährt man auf einer für Kinder eingerichteten Tafel: Nur wer Gottes Wort in seine Wissenschaft einbezieht, macht es richtig.

Das 27 Millionen Dollar teure Museum wurde 2007 von Ken Ham eröffnet, es ist privat finanziert worden. Ken Ham ist Anführer der Junge-Erde-Kreationisten in den USA, einer besonders fundamentalistischen Bewegung innerhalb strenggläubiger Christen. Sie verstehen sich als Gegenbewegung zu den Naturwissenschaften.

Viele von ihnen fordern, die biblische Lehre im Biologieunterricht anstelle, oder zumindest gleichberechtigt mit der Evolution zu unterrichten. Die Bewegung ist erfolgreich: Ein Video, das Ham in einer Debatte mit Bill Nye, einem aus dem Fernsehen bekannten Wissenschaftler, zeigt, wurde auf Youtube seit Februar rund drei Millionen Mal angeschaut. Derzeit bekämpft Hams Organisation die Show "Cosmos" des Astrophysikers Neil deGrasse Tyson - weil er auf Fox aus naturwissenschaftlicher Sicht über den Urknall spricht.

Seit Jahrzehnten streiten Hams Anhänger und viele weitere fundamentalistische Christen vor Gerichten dafür, die Evolutionstheorie aus den Schulen zu verbannen und das, was sie "Wort Gottes" nennen, als Lehre aufzunehmen. Das "Creation Museum" ist ihr Beweis, dass ihr Glaube korrekt ist.

Woher kommen wir? Warum sterben wir?

Aber warum glaubt man an eine Theorie, die der Realität offenbar widerspricht? Jerry Muller (Name geändert) steht unter dem sanft baumelnden Schwanz des Plastiksauriers. "Hier sind alle Fragen beantwortet", sagt er, "wir können das Geld für die Forschung sparen. Es steht alles in der Bibel."

Muller, ein Luftfahrtingenieur, hat der Wissenschaft abgeschworen, er arbeitet als Missionar. Woher kommen wir? Warum sterben wir? Was sind wir? Wer die Bibel wörtlich nimmt, hat keine Fragen mehr. Jerry Mullers Weltbild hat sich längst verselbständigt. Er reichert es an mit Plattitüden wie jener, dass auf einem Dinosaurierknochen nun einmal nicht stünde, wie alt er sei, und daher auch Wissenschaftler nicht sicher sein könnten, und mit Gerüchten wie jenem, dass auf dem Mount Everest Schlangen lebten.

Das alles passt sehr gut in dieses Gebäude, das eine Mischung aus gotischer Burg, Pyramide und Highschool-Cafeteria ist. Die Bibel ist hier eine einfache Lösung für einfache Menschen mit komplexen Problemen. Deshalb findet der Kreationismus in den streng christlichen Teilen der Welt, darunter viele Staaten im Mittleren Westen und Süden der USA, so großen Zuspruch.

Draußen vor dem "Creation Museum" sitzt die Warzenente im Garten, sonnt sich und guckt dumm. In ihrem Teich schwimmen Schlangen, vielleicht sind es auch nur Schleichen, klein und schwarz. Wie Gott sie schuf? Wie die Evolution sie hervorbrachte. Die Sünde ist überall.