SZ-Kolumne "Bester Dinge":Wo denn sonst?

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Weil sie sich oben ohne auf ihrem Balkon sonnen, bekommen Salka und Sofie aus Kopenhagen Ärger mit der Hausverwaltung. Doch die Frauen wehren sich.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Sommer, Hitze und dann noch die Pandemie: Salka und Sofie, zwei junge Kopenhagenerinnen, freuen sich, dass sie wenigstens einen Balkon zum Innenhof haben, zum "Durchatmen, Kuscheln, Sonnenbaden", wie sie schreiben. Ihr Sonnenbad nehmen sie, wie die Männer auf den Nachbarbalkonen auch, oben ohne. Anders als die Nachbarmänner erhalten sie jedoch einen Brief vom Hausverwalter, der sie auffordert, sich "einigermaßen zu bedecken". Einige Nachbarn hätten sich beschwert, sie fühlten sich "unwohl" angesichts der nackten Brüste. Salsa und Sofie staunen: Im Ernst?

"Menschen fühlen sich unwohl, nur weil wir wir selbst sind? Ist es unanständig, Brüste zu haben? Männer dürfen das, aber wir nicht? Wenn nicht auf unserem eigenen Balkon, wo denn dann?" Sie schreiben all das in einem Essay in der Zeitung Politiken. Sie erzählen es im Fernsehen: "Ein Sonnenbad ist kein sexueller Akt. Ein Sonnenbad ist Vitamin D, Sommer, Schweiß, Bräune. Nackte Brüste sind kein Vergehen. Sie sind ein Körperteil." Das generell unprüde dänische Publikum empört sich. Nicht über die beiden, sondern über die Hausverwaltung. Man liest auch über die wahre Plage auf Innenstadtbalkonen: Einblicke in halbnackte Männerärsche, wenn die Nachbarn sich beim Bierholen zu angestrengt nach vorne bücken.

Diese Woche nun erreichte die beiden Frauen ein neuer Brief. Von der Wohnungsbaugesellschaft. Eine Entschuldigung. "Nutzen Sie bitte Ihr Zuhause, so wie Sie es wünschen." Noch einmal die Kopenhagenerinnen: "Es lebe die Sonne, die Toleranz und die Oben-ohne-Brüste - einen schönen Sommer wünschen Salka und Sofie."

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© SZ/afis
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