Kopenhagen Madsen streitet Schuld an Walls Tod weiter ab

  • Bei der am Montag aus einer Bucht in Dänemark geborgenen Frauenleiche handelt es sich um die vermisste Journalistin Kim Wall.
  • Das hat ein DNA-Test ergeben.
  • Verdächtig ist weiterhin der Ingenieur Peter Madsen, auf dessen U-Boot sich Wall zuletzt aufhielt und der sich in den vergangenen Tagen in widersprüchliche Aussagen verstrickt hat. Im U-Boot wurde Blut der Schwedin gefunden.

Zwei Tage ist es her, dass Taucher einen Frauentorso aus der Bucht bei Køge geborgen haben. Jetzt hat ein DNA-Test Gewissheit gebracht: Bei der Toten handelt es sich um die vermisste schwedische Journalistin Kim Wall.

Zudem habe man Blut der Schwedin im U-Boot gefunden, teilte ein Kopenhagener Polizeisprecher mit. Zur Todesursache könne man noch keine Angaben machen. Die Rechtsmediziner hätten aber festgestellt, dass ursprünglich etwas Metallisches am Körper von Wall befestigt gewesen sei, das ihn vermutlich am Meeresboden halten sollte. Es gebe außerdem Spuren am Torso, die darauf hindeuteten, dass jemand versucht habe, Luft aus der Leiche zu drücken, damit sie nicht an der Oberfläche treiben würde.

Der Fall Kim Wall

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Die 30-Jährige war am 10. August an Bord der USC Nautilus gegangen, um für eine Reportage über Peter Madsen zu recherchieren. Der Ingenieur und Tüftler hatte das U-Boot im Jahr 2008 selbst gebaut, es handelt sich um das größte privat genutzte U-Boot der Welt. Von einem Passanten aufgenommene Fotos zeigen Wall und Madsen, wie sie in der Bucht vor Kopenhagen gemeinsam an Deck des U-Boots stehen. Es ist das letzte Mal, dass die Journalistin lebend gesehen wurde.

Als sich Wall in der Nacht nicht zurückmeldete, nahm ihre Familie Kontakt zur Seerettung auf. Am nächsten Morgen entdeckten die Einsatzkräfte die USC Nautilus in der Bucht nahe Køge, etwa 50 Kilometer südlich von Kopenhagen. Madsen gab an, Kurs auf Kopenhagen zu nehmen. Dann begann die Nautilus zu sinken. Der Ingenieur rettete sich an Land, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Zunächst hatte Madsen angegeben, Wall noch am Abend des 10. August wohlbehalten auf der Halbinsel Refshaleøen vor Kopenhagen abgesetzt zu haben. In einem weiteren Verhör durch die Polizei sagte er am Montag, die Journalistin sei tot. Sie sei bei einem Unglück an Bord ums Leben gekommen. Anschließend habe er ihre Leiche in der Køge-Bucht ins Wasser gelassen und sie "bestattet". Gegen die Unfall-These dürfte sprechen, dass der nun als Kim Wall identifizierten Frauenleiche Kopf, Arme und Beine fehlen. Wegen der abgetrennten Gliedmaßen ist die Obduktion äußerst schwierig.

Walls Mutter Ingrid Wall schreibt auf Facebook: "Mit grenzenloser Traurigkeit und Bestürzung haben wir die Nachricht aufgenommen, dass die Überreste unserer Tochter und Schwester gefunden wurden. (...) Während der schrecklichen Tage, seit Kim verschwunden ist, haben wir unzählige Beweise dafür empfangen, wie geliebt und geschätzt sie war, als Mensch, als Freund und als professionelle Journalistin."

Madsens Verteidigerin kritisiert, dass Öffentlichkeit und Polizei den 46-Jährigen zu schnell verurteilt hätten. "Es gibt absolut keinen Beweis dafür, dass der Leichenfund gleich etwas mit meinem Klienten zu tun hat", sagte Betina Hald Engmark der dänischen Zeitung Jyllands-Posten. Außerdem sei ihr Mandant froh darüber, dass Walls Leiche gefunden wurde. Deren Identifikation erleichtere die Ermittlungen - "und mein Mandant hat keinen anderen Wunsch, als dass dieser Fall vollständig aufgeklärt wird." Der Fund des Torsos ändere aber nichts an der Erklärung Madsens, Kim Wall sei durch ein Unglück an Bord des U-Bootes ums Leben gekommen.

Madsens Biograf Thomas Djursing sagte Jyllands-Posten, der Erfinder sei "seltsam", aber "nicht gewalttätig". Auch trinke er nicht und nehme keine Drogen. Allerdings habe Madsen "Wut auf Gott und die Menschen".

Die dänischen Ermittler suchen weiter nach den fehlenden Leichenteilen.